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WAZ vom 30.09.2008, auf der Homepage seit dem 30.09.2008

Stau

Essen ist dicht - auf Straßen und Schienen

Ruhrgebiet. Fahrbahn-Erweiterung, Tunnelarbeiten, Gleisbau: Am Tag, an dem die Ferien den Stau ausbremsen sollten, ging in und um Essen nichts mehr. Weder auf Straßen noch auf Schienen.

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Verkehrschaos:Stau durch Tunnelschließung auf der A 40 in Essen. (Foto: WAZ, Rennemeyer)

Von Annika Fischer

Zu Ferienbeginn beruhigt sich gewöhnlich der Verkehr. Und „Ruhe” ist für den Zustand am Montagmorgen vor Essen ein vielleicht ungewöhnliches, dennoch aber wahres Wort: Die Autos standen. Und einige Züge kamen gar nicht erst an. Denn auf Schienen und Straßen wird derzeit gleichzeitig gebaut.

Essen, Großstadt des Ruhrgebiets, war schwer erreichbar. Und wenn, dann zu spät.

Problemzone 1: die Straße. „Herbstferien: Störungsfrei über Nordrhein-Westfalens Autobahnen” hatte der Landesbetrieb Straßen.NRW noch letzte Woche wohlgemut eine Hausmitteilung überschrieben. „Wegen unserer Baustellen”, hoffte Geschäftsführer Ralf Pagenkopf, „dürfte es jedenfalls keine Staus geben.” Doch am Montag umfasste die Liste dieser Baustellen allein im Ruhrgebiet zwei volle Seiten, vier genannte liegen auf der A 40. Und eine Sperrung ist eine Sperrung: Am Morgen ging vor dem Essener Tunnel nichts mehr.

Dort werden in den verkehrsärmeren Ferien Betonwände und -decke der Durchfahrt unter der Innenstadt saniert. Umleitungen sind ausgeschildert, die „die Beeinträchtigung des Verkehrs so gering wie möglich” halten sollten – doch müssen alle Autos, durch die Stadt, zügig am besten, aber da seien eine Reihe von Ampeln vor, wenn auch „auf Optimum geschaltet”, sagt Peter Belusa von Straßen.NRW.

„Nie über zwei Kilometer” sei der Stau in Richtung Duisburg lang gewesen, verkündete Belusa auf Nachfrage der WAZ, und es klang wie eine gute Nachricht. Doch über Stunden war auf diesen zwei Kilometern eher Stopp als Stopp-and-Go. Bis Samstag, 4. Oktober bleibt hier alles dicht, am selben Tag wird die Gegenrichtung abgeriegelt.

Problemzone 2: die Schiene. Just am selben Wochenende, an dem die Autobahn mit Absperr-Baken garniert wurde, stellte auch die Bahn ihre Weichen neu. Wegen Gleisbau-Arbeiten zwischen Mülheim und Essen musste der Regionalexpress 2 von Mönchengladbach in Richtung Münster den Weg über Oberhausen nehmen.

Eigentlich sollte das nur Samstag und Sonntag so sein und am kommenden langen Feiertags-Wochenende wieder – doch mussten Reisende nach Essen auch am Montagmorgen noch auf den RE 6 oder die S-Bahn-Linie S 1 ausweichen. Auch die S 3 Oberhausen – Hattingen wird ab Freitag, 3. Oktober, zwischen Mülheim-Styrum und Essen für drei Tage ausfallen. Und alles, was dennoch fährt auf dieser Strecke (Fernzüge eingeschlossen) wird erst mit Verspätung in Essen und den folgenden Bahnhöfen erwartet.

Absprachen zwischen Straßen- und Gleisbauern gab es im Vorfeld nicht. Das sei nicht üblich, heißt es bei der Bahn wie bei Straßen.NRW. „Das würde zu weit gehen”, so Bahn-Sprecher Jürgen Kugelmann. Zwar gebe es Berührungspunkte „immer dort, wo Straße und Schiene sich treffen”, also, wenn etwa Bahnübergänge von Reparaturarbeiten betroffen seien, doch könne man nicht jede Baumaßnahme abstimmen: „Dann kämen wir gar nicht mehr zu Rande.” Beide, Bahn wie Straßenbetrieb, bauten ja „eigentlich immer irgendwo”.

In Essen, wenn man denn hinkommt, ist ja selbst der Bahnhof eine Baustelle.

WAZ, 30. September 2008


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