zurück zur Pressearchiv-Seite
 zurück zur Aktuell-Seite

als PDF-Dokument herunterladen

WAZ vom 30.04.2010, auf der Homepage seit dem 30.04.2010

Ran an die Schippe

Jetzt sind die Bauarbeiten für das Westkreuz auch ganz offiziell eröffnet - mit Politikerbegleitung

Michael Weeke

Säuberlich aufgereiht lehnen die sechs Schippen, genauer gesagt sind es Holländer Schaufeln, rot lackiert und augenscheinlich noch nie von einer Bauarbeiterhand berührt, an einem Bagger. Dieser scheint kurz vor dem offiziellen Akt direkt neben der A40 einer intensiven Säuberungskur unterzogen worden zu sein, so wie der blinkt. Später wird NRW-Verkehrsminister Lutz Lienenkämper einige Bewegungen mit dem Baggerlöffel vollziehen. Was von den Besuchern mit recht kräftigem Applaus quittiert wird.

»Wir machen ja hier keinen Wahlkampf«

Doch um die Polit-Promis, ging es eigentlich gar nicht. Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte denn auch: „Wir machen ja hier keinen Wahlkampf.“ Doch dann hätten Minister und Sekretär eigentlich gar nicht erscheinen müssen, für dieses Ritual, genannt „Spatenstich für den Ausbau der Anschlussstelle Bochum-Stahlhausen“.

Den Leuten von Straßen.NRW und den Mitarbeitern diverser Baufirmen. die bereits mindestens seit Monaten tiefe Löcher bohren und verpressen, Gründungen vorbereiten und die mächtigen Pfeiler für künftige Brückenbauwerke errichten, wussten es besser und hatten zum „Startschuss für neues Autobahnkreuz Bochum-West“ eingeladen. Wie immer es genannt wird, Spatenstich oder Startschuss, die Arbeiten kommen, wie Projektleiter Rolf Witte weiß, „normal gut voran“.

Der Kern der Bochumer Lösung, das Westkreuz bindet ab 2013 die A 40 direkt an den Außenring an, der - so die Planungen - bis dahin zu Autobahn hochgestuft werden soll. Rund 65 Millionen Euro kostet das neue Autobahnkreuz, das aufgrund seiner geschwungenen und miteinander verschränkten Brückenbauwerken entfernt an den Kaiserberger Spaghetti-Knoten, dem Urvater aller Autobahnkreuze im Revier, erinnert. Nachdem rund 30 000 Kubikmeter Spezialmasse in die etwa 1000 Bohrlöcher gepresst wurde, können die großen Brückenbauwerke endlich standsicher gebaut werden. Grund sind unterirdische Lockerungen, verursacht durch den Steinkohlenbergbau in dieser Region.

Es sind insgesamt drei, besser dreieinhalb Brücken, denn die Straßenbahn in Richtung Wattenscheid und Gelsenkirchen bekommt künftig einen eigenen Gleiskörper.

Diese gewaltige Kreuzung, davon gehen die Planer aus, soll künftig die 100 000 Fahrzeuge, darunter 9000 schwere Lastwagen pro Tag, besser verteilen und so für einen schnelleren Verkehrsfluss durch das Ruhrgebiet sorgen.

 

 

KOMMENTAR

Die Puste ausgegangen

Michael Weeke

Von einer „Wahlkampf-Farce“ sprachen die Vertreter der DüBoDo-Gegner im Vorfeld und erschienen erst gar nicht zum Spatenstich. Als Lienenkämper-Vorgänger Oliver Wittke vor genau drei Jahren den sechsspurigen Ausbau eröffnete, hatten sie noch mit einem alten Autoreifen und Transparenten opponiert. Mit Blumengebinde, versteht sich: „Begräbniskranz für ein Millionengrab“.

Jetzt schob die Bürgerinitiative ihr Fernbleiben auf die angeblich arbeitnehmerunfreundliche Uhrzeit (12 Uhr). Zur Erinnerung: Vor drei Jahren fand die ähnliche Veranstaltung um 15.30 Uhr statt.

Wie auch immer. Mir scheint vielmehr, den Gegnern geht bereits vor dem ultimativen Termin vor dem Bundesverwaltungsgericht am 19. Mai die Puste aus. Vermutlich ist es einfach zu frustrierend, trotz der vermeintlich guten Argumente, immer wieder mit Fakten und Prognosen der Ausbaubefürworter konfrontiert zu werden.

 

 

Das Kreuz mit dem Stau

Bochum. In Bochum beginnt der Bau des neuen Autobahnkreuzes. Das Durchkommen bleibt bis 2012 schwierig.

Hubert Wolf

Erde in die Luft schüppen und zugleich ein freundliches Fotogesicht machen zu sollen, gehört offenbar zu den Aufgaben eines Landes-Verkehrsministers. Das heißt dann „Erster Spatenstich“, häuft sich aus nicht ganz unerfindlichen Gründen derzeit in Nordrhein-Westfalen und passierte am Donnerstagmittag in Bochum, in einer freudlosen Erdaushub-Landschaft am Rande der großen Autobahnbaustelle der A 40. Aber wenigstens waren Blumenkübel aufgestellt worden, eine Deutschland-Fahne wehte, und es war sogar gesorgt für gut nordrhein-westfälische, also grüne, weiße und rote Pommesgabeln. An was die alles denken!

Hier entsteht das Bochumer Westkreuz, die Verknüpfung der A 40 mit der Stadtautobahn; für 71 Millionen Euro ein kleiner Spagettiknoten Duisburger Art, an dem Brücken Brücken überqueren werden, die Brücken überqueren. Der Zusammenhang ist noch größer, denn das Kreuz gehört zum mehrjährigen Ausbau dieser Straße auf sechs Spuren zwischen Gelsenkirchen und Stahlhausen - und da hakt es gerade: Letztes Jahr kam man nämlich viel zügiger durch die Baustelle als in diesem. Sie wenigstens wandert - alles andere steht.

Das zählt indes niemand nach, das sagen nur alle, die regelmäßig zwischen Essen und Bochum in den Stau fahren. Morgens, mittags, abends. Einen „gewissen Stau vor allem in Richtung Dortmund“ räumt auch Rolf Witte ein, der Projektleiter, und spekuliert: „Vielleicht ist es die Enge der gesamten Situation, wenn die Bagger jetzt so nah da stehen“.

Richtig ist: Der Bauabschnitt 2010 ist schmaler als der von 2009, ist von Wohnhäusern eingegrenzt, die Baustelle kann nicht in die Breite. Die Folge: Zwischen Bochum-Stahlhausen und Essen-Kray hat man als Fahrer in beiden Richtungen 5,9 Kilometer Baustelle live.

Gesperrte, verengte und verlegte Spuren, gesperrte Ausfahrten und verkürzte Auffahrten, und teils fährt man Seit' an Seit' mit dem Gegenverkehr. In den Böschungen klettern Laster rauf und runter, Raupen karriolen herum, und dann kommen wieder Kilometer, da sind die Bagger und die Bauarbeiter fast zum Greifen nah. Das ist ein einziges Umsonst-und-draußen-Festival, übrigens auch angemessen laut. „A 40 total“. Dann bremsen Leute aus Angst oder Neugier, „guck mal da“, oder aus der Baustelle fädelt sich gerade wieder ein oranger Kastenwagen von „Straßen NRW“ in den müde rollenden Verkehr - und schon steht alles.

Besser wird es im Herbst. Dann soll ein Teil der Strecke sechsspurig freigegeben werden, das Ende nach Essen und Bochum-Wattenscheid hin. Am Westkreuz wird dagegen gearbeitet bis Ende 2012. Die Baufirmen bekommen 5000 Euro für jeden Tag, den sie früher fertig werden. 2008/09 holte „Straßen NRW“ damit fünfeinhalb Monate heraus bis zum letzten Spatenstich.

WAZ, 30. April 2010


 zum Seitenanfang
 zurück zur Pressearchiv-Seite