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WAZ vom 28.05.2008, auf der Homepage seit dem 28.05.2008

A 40: Ausbau beginnt im Juni

Nächste Woche ergeht der Auftragszuschlag für das zwei Kilometer lange Baulos A von der Stadtgrenze Essen bis zum Abzweig Wattenscheid-Bahnhofsstraße. „pro grün“ pocht in Düsseldorf auf eine Verdeckelung

Von Rolf Hartmann

Hier lebt man seit Jahrzehnten mit dem Stau: Die A 40 vor den Wattenscheider Abfahrten. Ab Juni beginnt der sechsstreifige Ausbau, um die Autobahn zu entlasten. Kritiker sagen, nach Fertigstellung nehme der Verkehr beträchtlich zu. „In vier Wochen,“ sagte Michael Gebert, Niederlassungsleiter des Landesbetriebs Straßen in Bochum, so gutgelaunt, als kündige er ein Geschenk an, „in vier Wochen werden Sie die Baustelle erleben.“ Dann nämlich geht es los mit dem sechsstreifigen Ausbau der A 40. Zunächst mit Baulos A - das zwei Kilometer lange Straßenstück von Stadtgrenze Essen bis Abzweig Wattenscheid-West.

Der Zuschlag für Baulos A, dem später noch die Baulose B und C folgen, wird nächste Woche an eine Firma in Europa vergeben. Dann stehe dem unverzüglichen Baubeginn nichts mehr im Wege. 90 Millionen Euro kostet die Verbreiterung der einstigen B 1 inklusive des Westkreuzes in Stahlhausen, wo Bochums Außenring direkt an die A 40 angebunden werden soll.

Doch nicht alle sind glücklich über das opulente Autobahnwerk. Nicht nur, weil massive Stauzeiten während der Bauzeit drohen, sondern wegen der Belästigungen, die auf die betroffenen Anwohner zukommen werden.

Das sind rund 10 000 Menschen, macht der gemeinnützige Grünflächenverein „pro grün“ die Dimension klar. Um sie vor Lärm und Abgasen zu schützen, pocht der Verein auf eine Verdeckelung der Strecke. Noch vor einem Jahr, im Mai 2007, appellierte Bundesvorsitzender Hermann Schweihs an Landesverkehrsminister Oliver Wittke, für die Verdeckelung zu sorgen. Aber Wittke sagte nur: „Wo soll ich die 20 Millionen Euro dafür hernehmen.“

Doch „pro grün“ lässt nicht locker. Am 5. Mai 2008 schrieb Horst Ley, der rechtskundige Vize-Chef von „pro grün“ an Wittke: „Sie brechen das Recht. Indem Sie den Anwohnern in Wattenscheid die Deckelung der Trasse der Autobahn A 40 verweigern und denen in Dortmund die Tunnelung der A 40 zugestehen, verletzen Sie den Gleichheitssatz Artikel 3 des Grundgesetzes.“ Und der sei kein „Abzählvers“. Die Wattenscheider hätten dieselben Rechte wie die Dortmunder.

Gebert vom Landesbau Straßen sieht für die „Einhausung“, wie er die „Deckelung“ nennt, keine Chancen: „Da ist kein Geld in Sicht. Wenn in Wattenscheid eingehaust würde, müsste erst woanders eingehaust werden. Etwa in Essen-Holsterhausen.“ Die Antwort von Wittke steht noch aus. Auf Nachfrage teilte sein Ministerium mit, das sei eigentlich eher Bundessache.


KOMMENTAR

A 40: Kein Geld für den Deckel?

90 Millionen Euro gibt der Bund für des Autofahrers Glück aus - für den sechsstreifigen Ausbau der vielbefahrenen A 40. Doch zum Schutz der Anwohner wählt man kostengünstige Behelfe. ...

... Eine Deckelung der Strecke in Wattenscheid würde optimalen Schutz vor Lärm und Abgasen bieten (deshalb macht man es ja anderswo), doch vor 20 Mio Euro Baukosten schreckt die Obrigkeit zurück.

Ist die Lobby der Wattenscheider zu klein, um sich Gehör zu verschaffen, wenn es um die Gesundheit ihrer Bürger geht? Ist "pro grün" der einsame Rufer, abgesehen von Bürgerinitiativen, die gegen den Ausbau stritten?

Die Grünschützer lassen jedenfalls nichts unversucht, um den Landesverkehrsminister in die Pflicht zu nehmen. Zuständig für das Planfeststellungsverfahren ist laut Gesetz die oberste Landesstraßenbaubehörde. Und das ist Verkehrsminister Wittke.

Rolf Hartmann

WAZ, 28. Mai 2008

 


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