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RN / WAZ vom 28.02.2007, auf der Homepage seit dem 28.02.2007

Feinstaubwerte: Atem beraubend

Grenzwertüberschreitung bei der Messstation an der Herner Straße sind für 2007 absehbar

RIEMKE • Wer am Riemker Markt aus der U-Bahn empor steigt, riecht schon, dass der Bochumer Stadtteil kein Luftkurort ist. Was man nicht riecht, ist der gefährliche Feinstaub.

Den misst seit 12. Januar -150 Meter entfernt - auf der Herner Straße eine Messstation des Landesumweltamtes. Und sie misst so fleißig und gewissenhaft, dass man den Feinstaub geradezu schmecken kann. Atem beraubend sind die Werte, weil schon in kurzer Zeit sieben Überschreitungen des Tages-Grenzwertes ermittelt sind; den hat die EU auf 50 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft festgelegt.

Dr. Wilhelm Kappert vom Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz kennt sich aus mit allen möglichen Zahlen, Grenzwerten und Messmethoden, die in dem elektronischen Innenleben der hässlichen Blechkammer anfallen. Die sind oft verwirrend, aber als Kern bleibt eine klare Aussage vor Ort: „Die Grenzbelastung wird hier in diesem Jahr wohl überschritten.“

Es fehlen nur noch 28 Tage an der Höchstgrenze von 35 Tagen, an denen der Wert über 50 Mikrogramm liegen darf. Wann das Maß voll ist, vermag Kappert allerdings nicht zu sagen: „Die Luftverhältnisse im Winter und Sommer können sehr unterschiedlich sein; auch wegen Wind und Regen ist eine verlässliche Prognose nicht möglich.“

Luft aus 3,50 m Höhe

Angesichts der hohen Belastungen, die übrigens noch an 21 anderen Stellen in Bochum nach einem Gutachter-Screening erwartet - aber nicht gemessen - werden (wir berichteten) , mögen die Riemker zu Recht fragen: warum wird nicht gleich etwas dagegen getan? Zum Beispiel gegen den Schwerlastverkehr, der sich eine Abkürzung über die Herner Straße von der A 43 zur A 40 bahnt, um das Bochumer Kreuz zu umgehen.

Es sind rechtliche Probleme, die das verhindern, wie Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch versichert: „Bevor ein Aktionsplan aufgestellt wird, müssen die Messdaten Prozess-sicher, die Verkehrsbeschränkungen verhältnismäßig sein.“ Für die Aufstellung des Aktionsplans (im Kleinen) bzw. eines Luftreinhalteplans (im Großen) ist der Regierungspräsident zuständig. Mit dem, räumt Umweltamtsleiter Gerd Zielinsky ein, hat die Stadt in Sachen Herner Straße noch nicht gesprochen. Eben weil die entsprechenden Überschreitungen noch nicht vorliegen.

Für die Anlieger kein Trost, zumal die Werte, wie Kappert erläutert, aus der Luft in 3,50 Meter Höhe gemessen werden. Wie sie wohl bei Inversionswetterlage beispielsweise in Kinderwagenhöhe aussehen mögen? • Joachim Stöwer

Die Messwerte für Feinstaub an dieser Station können im Internet abgerufen werden: www.lanuv.nrw.de

Ruhr Nachrichten, 28. Februar 2007

 

Der Colt muss rauchen

An der Herner Straße zeichnet das Umwelt-Landesamt die Belastung mit Feinstaub und anderen Schadstoff Dass die Grenzwerte überschritten werden, gilt als höchst wahrscheinlich. Doch man braucht den Beweis

Von Tom Jost

Ein akzeptabler Arbeitsplatz sieht anders aus: In der Containerbude fehlt es an Licht, nach ein paar Minuten auch an Luft. Und pausenlos dröhnt draußen schweres Gerät vorbei, es rumpelt und vibriert in einer Tour. Zum Glück müssen hier keine Menschen angestrengt messen und analysieren - das erledigt eine vollautomatische Station. Seit dem 12. Januar ermittelt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) an der Herner Straße in Riemke die Belastung mit Feinstaub und anderen Nettigkeiten.

Ab 35 Tagen pro Jahr, an denen im Tagesmittel mehr als 50 Mikrogramm Staub pro Kubikmeter gemessen wurden, ist ein Aktionsplan zur Belastungsreduzierung fällig. Bisher sind sieben Überschreitungstage in sechseinhalb Wochen festgestellt.

Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch und Umweltamtsleiter Gerhard Zielinsky bezweifeln inzwischen nicht mehr überzeugend, dass die Belastungsgrenze in diesem Jahr weit überschritten wird. „Das Problem besteht darin“, sagt Stadt-Sprecherin Barbara Gotfcchlich, „dass die Wahrscheinlichkeit vorhanden ist, aber noch nicht die Sicherheit.“

Gewissermaßen müsse man erst den „rauchenden Colt“ gesehen und fotografiert haben, bevor Land und Bezirksregierung einen Aktionsplan auflegen könnten. An der Herner Straße würde er möglicherweise aus einem Durchfahrtverbot für Lkw bestehen, die den Straßenabschnitt als Abkürzung zwischen A 43 und A 40 benutzen. Könne man aber die Über-Belastung nicht mit Messwerten belegen, sekundiert Lanuv-Dezernent Dr. Wilhelm Kappert, lade man jeden Spediteur zum Prozessieren ein.

Bei 22 errechneten Straßenabschnitten mit hoher Staub-Belastung nützen auch keine kleinräumigen Umfahrungen. Für Kratzsch stellt sich die Frage nach einer „Umweltzone“ als einem „vernünftigen Konzept“. Aber: „Wir werden ganz viele gute Ideen brauchen - und die sehe ich momentan noch nicht.“

In 3,5 Metern Höhe

... das noch oberhalb der Mund- und Nasenöffnung eines groß gewachsenen Stelzenläufers, misst die automatische Station Feinstaub und Ozon, Stickoxide und Schwermetalle. Im Internet sind deie Messergebnisse der Station Riemke einsehbar:

http://www.lanuv.nrw.de/luft/temes/heut/VBOH.htm#jetzt (Tageswerte) sowie

www.lanuv.nrw.de/luft/immissionen/aktluftqual/pm10ueberschreitungn.htm

(Überschreitungshäufigkeit)

WAZ, 28. Februar 2007

 


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