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WAZ vom 25.11.2005, auf der Homepage seit dem 25.11.2005

Da staut sich was an

Sperrung der Auffahrt Frillendorf. Der Grund: Feinstaub

Von Hubert Wolf

Ruhrgebiet. Stau, dein Name ist Frillendorf - und das seit 30 Jahren. Denn die Nutzer der Essener A-40-Auffahrt müssen sich Richtung Westen an einer Stelle einfädeln, an der andere von der A 40 abbiegen zur A 52. Auffahrt kreuzt Abfahrt kreuzt Auffahrt, das kann nicht gutgehen: Das verursacht immerzu Staus, jeden zehnten auf der A 40 insgesamt. Die Zahl, irgendwann einmal gefallen, könne man „weder belegen noch dementieren“, sagt Andreas Roth vom Landesbetrieb „Straßen NRW“; klar sei: „Wir haben da ein Problem.“

Nun kommt der Stillstand vielleicht in Bewegung - auf Umwegen. Denn die Feinstaub-Belastung neben der Auffahrt Frillendorf ist zu hoch. Deshalb will die Bezirksregierung sie sperren, von Anfang Dezember an montags bis freitags von 7.30 bis 9.30 Uhr. Sie hofft, dass die Staus dadurch weniger werden, doch das ist ihr nur Mittel zum eigentlichen Zweck: dass der Staub weniger wird.

Die Stadt Essen empfindet dabei „erheblichste Bauchschmerzen“, und auch die Industrie- und Handelskammer ist dagegen: Beide fürchten großes Gedränge auf den Stadtstraßen und wirtschaftliche Nachteile für die Frillendorfer Geschäftstreibenden auf Rädern. „Wir würden dann auf der andern Seite auffahren, zurückfahren bis Gelsenkirchen und dort wieder umschwenken in Richtung Westen“, sagt Viktor Niehüser, der Seniorchef der gleichnamigen Spedition: „Man kommt sich vor wie in Schilda. Durch die Umwege kommt insgesamt mehr Mist in die Luft als vorher.“ Wegen gleichartiger Einwände von 150 Unternehmen will die Bezirksregierung die Sperrung der Auffahrt nach drei Monaten überprüfen; bleibt der Staub aber ähnlich dicht, könnte die Auffahrt dann sogar komplett gesperrt werden, statt sie wieder freizugeben.

Dadurch wächst der Druck, ein altes Vorhaben zu verwirklichen: die Auffahrt einige hundert Meter nach Osten zu verlegen, raus aus der Abfahrt; schon in der mittleren Kreidezeit befasste sich damit ein Wirtschaftsminister Reimut Jochimsen. 2006 könne das Planfeststellungsverfahren für die Verlegung eingeleitet werden, so Straßen NRW: „Wir hoffen, dann in die Realisierung zu gehen.“ Erkannt war das Problem ja auch erst 30 Jahre. Deutschland ist nicht so sehr schnell.

WAZ, 25. November 2005    


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