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WAZ vom 24.01.2008, auf der Homepage seit dem 24.01.2008

Stinker müssen draußen bleiben

Bochums Anteil an der Umweltzone Ruhrgebiet umfasst rund 40 Prozent des Stadtgebietes. Hier dürfen insbesondere alte Diesel ab Oktober nicht mehr fahren. Auch die Ausnahmen tragen nicht ewig

Von Tom Jost

Gut 40 Prozent der Fläche Bochums gehören ab Mitte Mai zur Umweltzone Ruhrgebiet. Darauf haben sich Vertreter der Stadt mit dem Regierungspräsidenten geeinigt. Spätestens ab Oktober darf die Zone nur noch mit Autos befahren werden, die eine rote, gelbe oder grüne Umweltplakette tragen. Damit soll die teilweise extreme Belastung mit Feinstaub und Stickoxiden gemindert werden.

Bochums voraussichtliche Umweltzone im Ausschnitt: In den grün unterlegten Stadtteilen darf ab Oktober weiter ohne Einschränkung gefahren werden. Die Nachbarstadt Herne – im Grenzbereich grau unterlegt – gehört ebenfalls zur Umweltzone. Montage: WAZ, Michael Korte

Wie die WAZ-Grafik zeigt, gehören zum gedachten Sperrgebiet sämtliche Stadtteile nördlich der A 40 mit Ausnahme von Rosenberg und Kirchharpen, ferner der erweiterte Innenstadtbezirk, dessen Grenzen von der A 40 und dem Ring gebildet werden. Im Westen kommt noch der Bereich zwischen A 40 und Essener Straße/Wattenscheider Hellweg hinzu. Betroffen sind nach Angaben der Stadt rund 10 000 Bochumer Fahrzeuge.

Die obige Abgrenzung gehört zum Entwurf des Luftreinhalteplans, der am 15. Februar ins Verfahren gehen wird. Dann haben Rat und Bezirke nochmals Gelegenheit zur Stellungnahme. Vermutlich wird sich an den betroffenen Bereichen wohl nicht mehr viel ändern.

Baudezernent Dr. Ernst Kratzsch sprach im Stadtentwicklungsausschuss allerdings auch von einer Reihe Ausnahmen: So muss für die Wattenscheider Straße im Lückenschluss zwischen A 40 und Donezk-Ring eine Sonderregelung beschlossen werden, bis das „Westkreuz“ steht. Dasselbe gilt für die Verbindung zwischen A-40-Abfahrt und dem Starlight-Congress-Stadion-Komplex. Hier dürfen alte Diesel weiter qualmen.

Weitere Ausnahmen soll es für Bewohner der Zonen-Stadtteile geben, dito für Handwerker, die dort ihre Kundschaft aufsuchen wollen, erklärte Kratzsch weiter. Allerdings würden diese Ausnahmen lediglich ein Jahr gelten - dann sei Schluss. Ähnlich wird es sich wohl mit den Plaketten verhalten: Zu Beginn wird man mit allen Farben die Umweltzone befahren können. Später ist denkbar, dass auch „rote“ Fahrzeuge draußen bleiben müssen.

 

KOMMENTAR

Der Jüngste Tag

Lange sah es so aus, als hätten die Gegner von Umweltzonen mit Kfz-Fahrbeschränkungen erfolgreich auf der Bremse gestanden. Doch seit die Bürger belasteter Stadtviertel ihren OB wegen Untätigkeit verklagen können, ist endlich Zug in der Sache: Das Ruhrgebiet bekommt seine Schutzzone, Stinker müssen draußen bleiben. Und Bochum ist mit seinen belasteten Bezirken dabei.

So weit, so gut. Doch die Regelung ist - bei Lichte betrachtet - recht zahm ausgefallen: Von aktuell 167 000 Pkw und 7700 Lkw in Bochum fallen demnächst etwa 10 000 Fahrzeuge durchs Raster, können aber per Ausnahme-Schein noch ein Jahr weiterfahren (teilweise auch umgerüstet werden). Die Autobahnen und der Stadtring bleiben als Transitstrecken unangetastet. Und auf Wunsch der IHK wurde der Ruhr-Park ebenfalls ausgeklammert.

Reichlich unverständlich also, weshalb die Kammern jetzt wehklagen, als dräue der Jüngste Tag herauf. Es passt auch nicht zusammen, dass man auf der einen Seite das Bild von der modernen, dynamischen und innovativen Wirtschaft mit Leuchtfarben an den Werbehimmel wirft - und dann so tut, als sei ebenjene Revier-Wirtschaft mit zwanzig Jahre alten Schrottmobilen unterwegs.

Tom Jost

WAZ, 24. Januar 2008


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