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WAZ vom 22.11.2007, auf der Homepage seit dem 22.11.2007

Feinstaub: 40 Straßen im Visier

Obwohl die Grenzwerte an der Herner Straße an 36 Tagen in diesem Jahr überschritten wurden, will die Stadt dort noch keine Verbotsschilder aufstellen, sondern lieber erst ein Gesamtkonzept austüfteln

Von Norbert Schmitz

Auch wenn an der Messstelle Herner Straße die Feinstaub-Grenzwerte inzwischen an 36 Tagen in diesem Jahr überschritten wurden, sieht die Stadt derzeit keine Veranlassung, kurzfristig irgendwelche Verbotsschilder aufzustellen. Denn, so betonte Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch gestern, man arbeite intensiv an einem Gesamtkonzept auch im Hinblick auf die Einrichtung von Umweltzonen im Stadtgebiet.

Für die Aufstellung von Aktions- und Luftreinhalteplänen zeichnet die Bezirksregierung Arnsberg verantwortlich. Ein Vorentwurf wurde der Stadtverwaltung am Dienstag vorgelegt. Kratzsch: „Wir müssen jetzt eine Stellungnahme erarbeiten.“

Im Klartext heißt dies, dass die Stadt den Vorschlag unter Berücksichtigung städtischer Kriterien, wie zum Beispiel Ausweichstrecken und soziale Gesichtspunkte, prüfen und um eigene Empfehlungen ergänzen wird. Hierzu hat es eine Erhebung gegeben. „Danach haben wir 40 Straßen herausgefiltert, bei denen rechnerisch die Überschreitung von Feinstaubbelastungen möglich ist“, erläutert Gerd Zielinsky, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes. Diese würden in die zu schaffenden Umweltzonen (hier insbesondere die Herner Straße zwischen den beiden Autobahnanschlüssen A 43 und A 40) einbezogen werden. Gleiches gelte für „punktuelle Belastungsstellen“ wie die Zufahrt zum Universitätsgelände.

Wenn Verkehrseinschränkungen ins Auge gefasst werden, dann müsse die Effektivität der Maßnahme ebenso Berücksichtigung finden, wie die Frage, ob die Zielgenauigkeit erreicht wird, so Stadtbaurat Kratzsch. Die Situation in Stiepel sehe beispielsweise ganz anders aus als im Bochumer Norden. Darum geht er davon aus, dass es keine flächendeckende, sondern partielle Umweltzonen geben wird.

Diese dürfen dann nur noch von Kraftfahrzeugen befahren werden, die die Kriterien der Euro-Norm erfüllen. Von den in Bochum gemeldeten 190 000 Pkw erfüllen 9000 diese Norm nicht, gleiches gilt für 2000 der 6200 leichten und für 800 von 2900 schweren Nutzfahrzeuge. Der Luftreinhalteplan könnte nach der Abstimmung mit der Bezirksregierung Arnsberg nach dem 1. Juli 2008 in Kraft treten.

 

KOMMENTAR

Staubfrei

Auf die Besitzer von älteren Autos kommen schlechte Zeiten zu. Sie werden möglicherweise demnächst ihren Wagen stehen lassen müssen, wenn sie einen Ort im Stadtgebiet erreichen wollen, der in einer Umweltzone liegt. Die sind dann nämlich für „Dreckschleudern“ tabu.

Es lässt sich natürlich darüber streiten, ob es sinnvoll ist, solche Zonen lediglich in besonders stark belasteten Stadtteilen und nicht gleich flächendeckend einzurichten. Feinstäube kennen nämlich keine Grenzen.

Wichtig allerdings ist, dass die Problematik überhaupt in Angriff genommen wird. Wer nämlich an einer viel befahrenen Straße, wie zum Beispiel die Herner Straße in Riemke, wohnt, wird dankbar dafür sein, wenn Maßnahmen ergriffen werden, die ihre Gesundheit schützen.

Nur - was machen sie, wenn sie selbst ein Auto fahren, dass die strengen Euro-Normen nicht erfüllt? Gibt es für sie dann Ausnahmegenehmigungen ?

„Klinisch rein“ werden die Umweltzonen demnach nicht werden können. Zumal auch andere Umwelteinflüsse hinzukommen, die mit Fahrverboten nicht eingedämmt werden können.

Norbert Schmitz

 

„Anwohner in Rechten verletzt“

CDU fordert rasche Maßnahmen zur Feinstaubreduzierung in Riemke

Im Namen des CDU-Ortsverbandes Riemke fordert Unions-Fraktionsvorsitzender Lothar Gräfingholt die Stadt auf, konkrete Maßnahmen zur Feinstaubreduzierung für die Herner Straße vorzulegen. Aus seiner Sicht ist Eile geboten, denn die Anwohner seien in ihren Rechten verletzt und die Stadt könne nicht dulden, „dass eine solche Rechtsverletzung andauert.“

Gräfingholt: „Nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichtes haben die betroffenen Anwohner einen Anspruch auf Schutz und es ist die Pflicht der Stadt, Maßnahmen unabhängig von sonstigen Zuständigkeiten zu ergreifen.“

Für die Bewohner in Riemke sei seit Jahren klar, woher die Überschreitungen an der Messstelle kommen: „Ein Großteil des Verkehrs ist Abkürzungsverkehr zwischen der A 40 und der A 43. Hier verursachen insbesondere die Lkw die Beeinträchtigungen durch Lärm, Staub und Abgase. Es muss also durch geeignete Maßnahmen darauf hingewirkt werden, dass dieser Durchgangsverkehr unterbleibt.“ Darüber hinaus kommt es regelmäßig zu einem Rückstau durch die Zuflussregelung zur A 43 Richtung Recklinghausen. Hier habe Verkehrsminister Wittke versichert, dass der Zufluss auf zwei Fahrzeuge pro Grünphase verdoppelt werden soll,   -tz

WAZ, 22. November 2007


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