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WAZ vom 22.07.2005, auf der Homepage seit dem 22.07.2005

Die dicke Luft reicht Arnsberg noch nicht aus

Feinstaub-Aktionsplan in weiter Ferne

Von Tom Jost

Dass ein Aktionsplan zur Reduzierung von Feinstäuben in Bochum aufgestellt wird, war bisher sichere Annahme von Stadt und Landes-Umweltamt (LUA). Doch die Bezirksregierung setzt aufs Abwarten.

45-mal - so rechneten es die Experten hoch - hatte die einzige Bochumer Feinstaub-Messtelle an der Maarbrücke im vergangenen Jahr Alarm gegeben, weil der Tagesdurchschnittswert von 50 Mikrogramm überschritten war. Dass nicht da schon Einschränkungen in Bochum folgten, war dem Umstand zu verdanken, dass der EU-Grenzwert in 2004 noch 55 Mikrogramm betrug. Und der war „nur“ eben 35-mal erreicht.

Bis zum 24. Mai, so LUA-Fachdezernent Wilhelm Kappert, seien der Regierungspräsidentin bereits wieder 20 Fälle gemeldet worden, in denen der Tageswert zu hoch lag. Für Kappert ist deshalb klar: „Angesichts der Vorjahreswerte muss jetzt ein Aktionsplan folgen.“ Dieser könnte dem unmittelbar benachbarten Staub-Produzenten Thyssen-Krupp Auflagen machen, eventuell auch lokale Verkehrsbeschränkungen anordnen. Zwingend wird der Aktionsplan ab dem 35. Alarmtag.

Doch darauf hat die Bezirksregierung in Arnsberg offensichtlich wenig Lust - und verlegt sich aufs Abwarten. RP-Sprecher Georg Hennecke: „Die Bezirksregierung hat den Eindruck gewonnen, dass zwischenzeitliche Maßnahmen gegriffen haben und die 35 Überschreitungen nicht mehr erreicht werden.“

Den Optimismus stützt man auf den Umstand, dass 2004 im gleichen Zeitraum schon 29 Alarme registriert wurden - es sei aktuell also wohl nicht so schlimm. Und richtig dicke Luft gebe es wohl erst wieder ab November. Bochum finde sich übrigens auch nicht in der Prioritätenliste des LUA.

Weil die Station an der Maarbrücke nicht ständig misst, stimmt das sogar. Doch die bisherigen 20 Alarmtage bedeuten Platz 7 unter 63 Stationen. Direkt hinter ausgewiesenen Kurorten wie Düsseldorf, Duisburg-Bruckhausen oder der B 224 in Essen.

Kommentar Seite 2

 

Der Feinstaub-Aktionsplan löst sich in Luft auf

Es gilt Artikel 3

Von Tom Jost

Seit gestern gibt es in Arnsberg einen neuen Regierungspräsidenten. Der SPD-Frau Renate Drewke folgt - dem neuen Wind aus Düsseldorf entsprechend -ein CDU-Mann: Helmut Diegel heißt er.

Nun möge man bitte nicht denken, Diegel habe als erste Amtshandlung gleich den Feinstaub-Aktionsplan für Bochum entsorgt. Den legte die Behörde schon vorher auf Eis. Denn darin sind sich die Anhänger fast aller Parteien einig: dass man in Wahlkampfzeiten wie diesen keine neuen Unannehmlichkeiten gebrauchen kann. Superteures Benzin reicht, und Verkehrsbeschränkungen wären so nötig wie ein Loch im Kopf.

Hinzu kommt, dass der vermutete Haupt-Stauber Thyssen-Krupp im bereits angelaufenen Verfahren einen Einspruch eingelegt hat.

Was liegt also näher als die große Koalition der Beschwichtiger und Zauderer? Artikel 3 des rheinischen Grundgesetzes gilt offenbar auch in Arnsberg und Bochum: „Et hätt noch immer joot jejange.“

WAZ, 22. Juli 2005


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