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WAZ vom 21.02.2007, auf der Homepage seit dem 21.02.2007

Nach fünf Wochen schon auf Platz drei

Die neue Feinstaub-Messstation wirft Werte aus, die als atemberaubend gelten können

Von Tom Jost

Babette Scholz hat am Bürgertelefon des Essener Landesumweltamtes einen einfachen Job. Wenn besorgte Autofahrer wissen wollen, wann mit einer„Umweltzone Ruhrgebiet" zu rechnen sei, sagt sie, die erste „Umweltzone" in NRW sei ab Januar 2008 in Köln geplant. Alles weitere stehe in den Sternen. Auch im Ruhrgebiet, auch in Bochum.

Dabei wäre diese Schutzzone jetzt greifbar nah. Bochums erste Messstation, die seit dem 12. Januar Feinstaub, Ozon und Stickoxide an der vielbefahrenen Herner Straße aufzeichnet, wies in den ersten fünf Wochen bereits sechs Tage der Grenzwert-Überschreitungen mit mehr als 50 Mikrogramm/m3 aus. Damit liegt Bochum unter 66 NRW-Stationen bereits auf Platz drei - und auch nur wegen der elf fehlenden Messtage.

Mit sieben und acht Überschreitungstagen stehen nur zwei Brennpunkte in Dortmund und Düsseldorf schlechter da als die Herner Straße. Zwei Brennpunkte freilich, f+r die längst ein Aktionsplan angeordnet wurde. Dass an der B51 eine solche Maßnahme unvermeidlich wird, ist allen Verkehrsexperten klar: Nur noch als Frage der Zeit gilt, bis das EU-Limit von 35 Überschreitungstagen überläuft. „Ist absehbar, dass an einem Messpunkt die Jahresbelastung überschritten wird", sagt das Immissionsschutz-Gesetz, „muss die Gemeinde mit einem Aktions- und Reinhalteplan tätig werden."

Verkehrs- und Umweltexperten sind sich einig, dass Einzelmaßnahmen mit Durchfahrtverboten und Umleitungen nichts anderes bewirken als eine Verschiebung des Problems. Ein anderes Ergebnis brachten auch die Aktionen in Düsseldorf und Dortmund nicht. Grundsätzlich hat daher der Regionalverband Ruhrgebiet (RVR) eine „Umweltzone Ruhr" in die Diskussion geschoben und vor wenigen Tagen eine Machbarkeitsstudie mit konkreten Handlungssträngen vorgelegt. Doch dem Plan ergeht es zunächst so wie vielen zuvor: Er wird erst einmal ausgebremst. Kommentar/weiter Seite 2/3

Online dabei

Im Internet sind die Messergebnisse der Station Riemke einsehbar: www.lanuv.nrw.de/luft/temes/heut/VBOH.htm#jetzt (Tageswerte) sowie www.lanuv.nrw.de/luftimmissionen/aktluftqual/pm10ueberschreitungen.htm (Überschreitungshäufigkeit)

KOMMENTAR

Abgeschoben

Als 2005 in Dortmund Straßen wegen überhöhter Feinstaub-Belastung für Lkw gesperrt wurden, war Bochum fein raus: Man hatte keine regelmäßig messende Station. (Und wollte auch keine.) Als die Hochrechnungen des Landesumweltamtes signalisierten, dass man an mindestens 22 Straßen-Brennpunkten jenseits aller Grenzwerte lag, hatte Bochum noch immer keine Station. Jetzt gibt's eine - sie zeigt, dass die Hochrechnungen offenbar sehr realistisch waren. In den Arbeitsgruppen diskutieren seit Herbst Stadt-Vertreter revierübergreifend eine gemeinsame Umweltzone. Aber ihre Oberbürgermeister /innen schieben sie sogleich auf die lange Bank. Weil sie Angst vor schlechtem Image haben? Ja. Weil Betroffene protestieren könnten? Ja. Weil die Autostadt Bochum Opel nicht brüskieren will? Ja. Eine absurde Veranstaltung. Tom Jost

WAZ, 21. Februar 2007

 


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