zurück zur Pressearchiv-Seite
 zurück zur Aktuell-Seite

als PDF-Dokument herunterladen

WAZ vom 20.05.2009, auf der Homepage seit dem 20.05.2009

Bärendorf behält sein Lärm-Problem

Von Jürgen Boebers-Süßmann

Anwohner des Oviedoringes in Weitmar-Bärendorf sind mit ihrer Forderung nach verstärkten Lärmschutzmaßnahmen für das Wohngebiet rund um die Feuerbachstraße abgeblitzt.

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr folgte gestern der Verwaltung, welche die in einem Anwohner-Positionspapier niedergelegten Argumente klar zurückgewiesen hatte.


Ausführliche Debatte

Gleichwohl diskutierten die Politiker mit einer von Werner Sczesny geleiteten Abordnung der Bärendorfer Bürger deren Anliegen ausführlich. Unstrittig war, dass es ein Verkehrs(lärm)-Problem gibt. Unstrittig aber auch, dass dies an vielen Stellen in Bochum ebenso der Fall ist. So wollten weder die Verwaltungsvertreter noch die Politiker darüber nachdenken, das Gebiet, wie von den Anwohnern vorgeschlagen, nachträglich zur Umweltzone zu erklären, noch, die stark befahrene Stensstraße für Lkw zu sperren. „Das würde die Probleme nur verlagern, nicht lösen”, gab Stadtbaurat Dr. Ernst Kratzsch zu bedenken.


Verdoppelung des Verkehrsaufkommens

Blieb der Krach durch die in Tieflage geführte Stadtautobahn. Nach Berechnungen der Anwohner könnte mit der Hochstufung des Außenringes zur Bundesautobahn (in Verbindung mit der Querspange und dem Westkreuz) das Verkehrsaufkommen auf dem Ring von heute ca. 40 000 auf über 90 000 Fahrzeuge pro Tag steigen. Hochgerechnet würde das 3 dB mehr Schalldruck bedeutet - womit eine „Lärmsanierung” (Deckel oder Schutzwände) rechtlich möglich würde. Das Problem : 1.) noch ist der Außenring eine städtische Straße, und die Stadt hat für Lärmschutz definitiv kein Geld. 2.) weiß niemand, wie sich in vier, fünf Jahren das Verkehrsaufkommen tatsächlich entwickelt haben wird, sprich ob der Bund als zukünftiger Besitzer zu verstärkten Lärmschutzmaßnahmen verpflichtet werden kann.

An der Lärm-Lage in Bärendorf wird sich also nichts ändern. Immerhin ließ der Ausschuss protokollieren, dass bei den Gesprächen über die Autobahn-Übernahme zwischen Stadt und Bund das Thema im Hinterkopf bleiben soll.

 

 

Kommentar: Nix zu holen

Von Jürgen Boebers-Süßmann

Autofahren tun wir alle gerne, aber an der Autobahn oder an der Schnellstraße wohnen möchte natürlich niemand.

In einem Ballungsraum wie dem Ruhrgebiet sorgt das beständig für Reibung. Wie jetzt in Weitmar-Bärendorf. Natürlich ist der Lärm, der aus der tiefergelegten Stadtautobahn nach oben dröhnt, ein Problem für die Menschen, die dort wohnen. Von daher ist ihre Forderung nach verbessertem Lärmschutz nur zu verständlich. Aber solche Forderungen existieren andernorts auch, etwa in Wattenscheid an der A 40, um nur ein Beispiel zu nennen. Dazu kommt, dass rund um die Feuerbachstraße die juristisch belastbaren Lärmwerte nicht ausreichen, um eine „Lärmsanierung” in Gang zu setzen. Ganz davon ab, dass unsere klamme Stadt dafür niemals Geld aufbringen könnte.


Hoffnung auf die Zukunft

So bleibt den Anwohnern nur die Hoffnung auf die Zukunft. Wenn der Außenring einen fernen Tages Bundesautobahn sein wird, muss neu überlegt werden - aber auch nur dann, wenn sich die Verkehrsaufkommen tatsächlich verdoppelt haben sollte.

Ein Trost für die engagierten Bürger: Das Positionspapier, das sie der Politik und der Bürokratie vorlegten, war fundiert, ausführlich, kenntnisreich. Ausschuss-Vorsitzender Hossiep lobte die Fleißarbeit ausdrücklich. Aber kaufen können sich die Bärendorfer dafür nix. Schon gar keine neue Lärmschutzwand.

WAZ, 20. Mai 2009

 


 zum Seitenanfang
 zurück zur Pressearchiv-Seite