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WAz vom 17.05.2007, auf der Homepage seit dem 17.05.2007

Die A 40 wird breit gemacht

Die A 40 wird breit gemacht

 

Zum Auftakt des 6-streifigen Ausbaus öffnete der Himmel ungnädig seine Schleusen. Demonstranten pfiffen, als Verkehrsminister Oliver Wittke symbolisch an der Hohenstein-Brücke rüttelte

 

 

Von Rolf Hartmann

 

 

Geht es nach dem frommen Flehen von Harald Friedrich Austmeyer, werden keine Geringere als der „Brückenheilige“ Johannes Nepomuk und die heilige Gertrud, Schutzpatronin Wattenscheids, jahrelang darüber wachen, dass beim sechsstreifigen Ausbau der A 40 zwischen den Anschlussstellen Stahlhausen und Gelsenkirchen niemand zu Schaden kommt.

 

Der Wettergott fand das offenbar zum Weinen: Zum „offiziellen Spatenstich“ grüßte er mit Regenschauern. Geladene Gäste und Demonstranten suchten gemeinsam Zuflucht unter einem Zelt.

 

Austmeyer, der mit den Heiligen, ist Geschäftsführer des Landesbetriebes Straßenbau NRW. Und für diesen Tag, auf den die Autobahnbauer seit zehn Jahren warten, hatte er keine üble Rede vorbereitet, ließ sogar launige Verse des Kabarettisten Frank Goosen einfließen. Doch der Ton wurde eher von Autobahngegnern dominiert. Pfiffe und Buhrufe, als Austmeyer sagte: „Die Kultmarke 4 40 bekommt nun drei Streifen. Für die Menschen am Steuer bedeutet demnächst breiter gleich schneller weiter.“

 

Doch erst wird die Brücke Hohenstein, die in Wattenscheid-Leithe die A 40 überkreuzt, abgerissen. Das passiert in der Nacht von Samstag auf Sonntag (19./20. Mai). Deshalb wird die A 40 von 24 bis 4.30 Uhr zwischen Essen-Kray und Wattenscheid-West voll gesperrt. Die neue Brücke soll Dezember 2007 fertig sein.

 

Der weitere Bauplan: Ab Juli 2007 wird der Standstreifen der Nordfahrbahn verbreitert, um während des 6-streifigen Ausbaus der A 40 ab Frühjahr 2008 auf vier verengten Fahrspuren den Verkehr aus beiden Richtungen aufzunehmen - 100 000 Autos täglich.

 

Die Baustellen auf der 5,5 km langen Strecke werden nacheinander in drei Baulosen abgewickelt. Die Arbeiten in Wattenscheid sollen bis 2010 dauern, der gesamte Fahrbahnausbau samt Umbau der Anschlussstelle Stahlhausen zum „Westkreuz“ bis 2012. Die Kosten: 96 Millionen Euro. Für den drei Kilometer langen Neubau der „Opel-Querspange“, die die A 44 über den Bochumer Außenring mit der A 40 verbinden soll, sind weitere 41 Mio Euro kalkuliert. Hier fehlt noch der Planfeststellungsbeschluss.

 

Zurück nach Leithe: Dort, an der Brücke Hohenstein, zückte NRW-Verkehrsminister Oliver Wittke eine Drahtschere, durchschnitt die Sicherung für ein bereits abgeflextes Teil des Brückengeländers, das brav zur Seite kippte: Das war der „Spatenstich“.

 

Derweil geißelte Eckhard Stratmann-Mertens von den DüBoDo-Gegnern das Bauvorhaben, stiftete einen „Begräbniskranz für das Millionengrab“ und erinnerte, dass gegen den Ausbau noch Klagen beim Oberverwaltungsgericht Münster anhängig sind. Notfalls werde man das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig anrufen. Pro-Grün-Chef Hermann Schweihs appellierte an Wittke, Schallschutzwände so zu bauen, dass später ein Deckel möglich sei. Doch der Minister winkte ab: Dafür sei kein Geld in Sicht.

 

KOMMENTAR

 

Der große Stau

 

Jetzt scheint es Ernst zu werden mit dem sechsstreifigen Ausbau der A 40. Das mag die Autofahrer freuen, aber erst ab 2012. Bis dahin werden sich täglich über 100 000 Wagen durch verengte Fahrbahnspuren schieben. Das wird keine reine Freude, es riecht nach Superstau. Am besten, man interessiert sich hilfsweise für die Angebote des öffentlichen Nahverkehrs, um sich Wutanfälle zu ersparen. Das funktioniert natürlich nur, wenn Busse und Bahnen halbwegs pünktlich sind.

 

In Bochum ist der Ausbau der A 40 wie überhaupt alle drei Etappen der Bochumer Verkehrslösung" nach wie vor heftig umstritten. Anwohner und Grünschützer fürchten durch noch mehr Verkehr zusätzliche Belastung durch Staub und Lärm. Befürworter sind froh, dass diese strategisch wichtige Verkehrsader in ein paar Jahren für reibungslosen Verkehr sorgen könnte.

 

Könnte. Ob die Einsprüche gegen den Ausbau der A 40 die Herzen der Oberverwaltungsrichter in Münster rühren können, ist völlig offen. Eine zügige Entscheidung wäre angebracht, damit die Dinge klarer werden.

 

Rolf Hartmann

 

 

 

 

 

RHEIN – RUHR

 

Millionen Euro gegen die Verstopfung

 

 

 

 

Jetzt geht's los: Verkehrsminister Wittke feiert den ersten Spatenstich zum dreispurigen Ausbau der A 40 - und steht zuvor im Stau

 

Von Hubert Wolf

 

 

Bochum. Der Landregen fliegt waagrecht, die Festgesellschaft steht im Schlamm, und überhaupt sind die Umstände ausgesprochen widrig für einen feierlichen ersten Spatenstich. Zu dem stapft Landesverkehrsminister Oliver Wittke (CDU) am Mittwochnachmittag am Rande der Autobahn 40, um deren bevorstehenden Ausbau symbolisch einzuleiten - und er stapft deutlich verspätet. Wäre diese Autobahn schon dreispurig in jeder Richtung, hätte ich nicht von Duisburg bis hier im Stau gestanden", sagt er: Und bringt damit genau die Pointe, die Gegner des Ausbaus Minuten vorher prophezeit hatten angesichts des Ausbleibens der Limousine aus Düsseldorf. Spöttischer Applaus also in diesem Moment für Wittke. Denn was für ihn den Verkehr verflüssigt und die Umwelt entlastet", sehen die vielleicht 30 Demonstranten hier völlig anders. Mehr Autos fürchten sie, mehr Lärm, Schadstoffe, Krankheiten, wenn jetzt umgesetzt wird, was seit 40 Jahren erwogen und seit 10 Jahren angekündigt ist - damals war noch Wolfgang Clement (SPD) Verkehrsminister, falls sich jemand erinnert.

 

Im Einzelnen sieht die Bochumer Lösung" vor: Der Landesbetrieb Straßen NRW" verbreitert die A 40 zwischen Gelsenkirchen und Bochum-Stahlhausen von vier auf sechs

Spuren. In Stahlhausen verknotet er sie durch ein richtiges Autobahnkreuz mit dem Außenring, bisher muss man da über Stadtstraßen; damit kann der Verkehr sich um Bochum-Mitte herum auf zwei Autobahnen verteilen. Und weiter im Osten, in der Nähe des Opel-Werks, wird derselbe Außenring an die A44 angebunden - sie verendet bisher drei Kilometer zuvor.

 

Für den Ausbau kalkuliert Straßen NRW" mit 131 Millionen Euro. Zwischen Frühjahr 2008 und 2012 wird die A 40 zwischen Stahlhausen und Gelsenkirchen Baustelle sein, allerdings soll der Verkehr auch dann vier Spuren nutzen können. Bis 2008 sind reine Vorarbeiten vorgesehen: die Sanierung der nördlichen Fahrstreifen, damit sie den Baustellenverkehr aufnehmen können, und der Abriss und Neubau der Fußgängerbrücke in Wattenscheid-West, deren Spannweite nicht ausreicht. Und so besteht der erste Spatenstich gestern recht eigentlich darin, einige Meter Brückengeländer abzumontieren.

 

Links und rechts der Ausbaustrecke entstehen dann deutlich höhere Lärmschutzwände. Hinter ihnen würde das Ensemble an der Dückerstraße versinken, aus Möbelhaus, Schnellrestaurants und dem Autoausrüster D&W, Allerdings spricht D&W mit dem Land darüber, an dieser Stelle einen durchsichtigen Lärmschutz zubauen: Sichtbar blieben dann die großen Werbeplakate mit den unerheblich bekleideten Frauen.

 

Der Ausbau werde ein Millionengrab", prophezeien seine Gegner: Denn er beginnt, während Klagen gegen ihn noch nicht entschieden sind. Den Grabkranz allerdings, den sie Wittke aus diesem An-lass überreichen wollen, den nimmt er nicht mehr an. Andere Termine warten. Und auf der Autobahn steht Stau.

 

 

WAZ, 17. Mai 2007


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