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WAZ vom 16.08.2005, auf der Homepage seit dem 16.08.2005

„Sperrzonen sind das letzte Mittel“

Im Kampf gegen die Feinstaub-Belastung will die Stadt rechnen, ob es sich lohnt, neue Messstationen aufzustellen, die den Anteil des Kfz-Verkehrs ermitteln – Immerhin: Augen auf beim Autokauf

 Von Tom Jost 

In Bochum wird es zum Schutz vor Feinstäuben vorläufig keine Sperrzonen für Dieselfahrzeuge geben. Für „so kräftige Mittel“ gebe es keine rechtfertigenden Daten.

Stadt-Baudezernent Martin zur Nedden sagte gestern der WAZ, man überprüfe aktuell mit optimierten Rechenverfahren, wo zusätzliche Messstationen aufgestellt werden könnten. Diese sollten dann zielgerichtet Feinstaub-Werte ermitteln, die durch den Verkehr verursacht werden. Denn die bislang einzige Bochumer Messstelle an der Maarbrücke sei vornehmlich auf Industrie-Ausstoße ausgerichtet und halte nur bedingt Dieselruß-Belastungen fest.

In der vergangenen Woche hatte der Fachdezernent des Deutschen Städtetages, Folkert Kiepe, bestätigt, dass „in nahezu allen“ der 82 deutschen Großstädte dieselrußfreie „Umweltzonen“ geplant seien. Ihre Aktivierung hänge aber davon ab, ob in der jeweiligen Gegend der EU-Grenzwert von derzeit 50 Mikrogramm im Tagesdurchschnitt an mehr als 35 Tagen überschritten wird. 2004 war dies in Bochum - hochgerechnet - der Fall. Für das laufende Jahr rechnet das Landes-Umweltamt mit einer ähnlichen Belastung. Der Sprecher des Städtetages Volker Bästlein erklärte jedoch gegenüber der WAZ, solche Innenstadt-Sperrungen (wie sie beispielsweise für Berlin und Frankfurt schon konkret geplant sind) seien „das letzte Mittel, wenn keine andere Möglichkeit greift“. Vorrang hätten stets „die Maßnahmen an der Quelle“: Bund und Länder stünden jetzt in der Pflicht, mit Rußfilter-Pflicht und Steuererleichterungen das ihre zu tun.

Auch Baudezernent zur Nedden rät Autokäufern, das Dieselproblem bei der Modellauswahl in ihre Entscheidung einfließen zu lassen. Gegenwärtig bieten einige ausländische Hersteller Diesel-Kfz mit serienmäßigem Rußfilter an, auch deutsche Autobauer ziehen allmählich nach.

Nicht im Handel erhältlich sind allerdings Nachrüst-Filter. Ersten Angaben der Hersteller zufolge sollen sie noch in diesem Jahr kommen und zwischen 565 und 750 Euro kosten.





Feinstaub: Ohne Daten keine Taten

Allen wohl und keinem weh

Von Tom Jost

„Wir müssen einen Weg finden, atembare Luft zu erhalten, ohne der City den Atem abzuschnüren." So kennzeichnet Baudezernent Martin zur Nedden den Spagat, den die Stadt in Sachen „Feinstaub-Belastung" verzweifelt versucht. Allen wohl, aber keinem weh.

Vermutlich wird es in Bochum keine Sperrzonen für Diesel-Fahrzeuge geben, keinen Ärger mit den Anliegern, Anlieferern und aufgebrachten Einzelhändlern. Aber nicht, weil die Luft plötzlich so rein geworden wäre. Sondern: Weil's keiner wirklich so genau wissen möchte, wieviel Staub tatsächlich so herumschwebt.

Eine einzige Messstation in der Stadt liefert zu wenige (wenn auch grenzwertige) Daten - sie steht nämlich auch noch falsch. Dort aber, wo die Belastung durch den Verkehr vermutlich ziemlich hoch ist, wird nicht gemessen.

Man könnte beim Land Dampf machen für eine weitere Station. Man könnte sie selbst aufstellen - und bezahlen, wie es Wuppertal tat. Oder aber herumrechnen und auf Regenwetter hoffen. Zurzeit funktioniert's ja.

WAZ, 16. August 2005  


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