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WAZ vom 15. / 16.02.2008, auf der Homepage seit dem 16.02.2008

Freier Blick für freie Fahrt

Für den sechsspurigen Ausbau der A 40 werden acht Hektar Bäume und Büsche abgeholzt. Planfeststellungsbeschluss für die Querspange A 44: Klagen erwartet

Von Sabine Vogt

Pendler auf der A 40 erleben bei Stahlhausen derzeit dramatische Veränderungen. Durch die Rodungen an den Böschungen eröffnet sich nun ein Blick weit ins Gelände. Immerhin sind bislang rund 80 000 Quadratmeter Grün abgeholzt worden, was nicht nur Naturschützer aufgebracht hat.

Die Bäume mussten weichen als Vorbereitung für den sechsspurigen Ausbau der A 40 zwischen den Anschlussstellen Gelsenkirchen und Stahlhausen. Er ist Teil der so genannten Bochumer Lösung, zu der auch der Ausbau der Anschlussstelle Stahlhausen zum Westkreuz mit Verbindung zum Donezk-Ring gehört. „Die Rodungen am künftigen Westkreuz sind nahezu abgeschlossen. Es werden noch einige Bäume am Donezk-Ring gefällt sowie im Bereich von Bahnhofstraße bis Real in Wattenscheid“, erklärt Rolf Witte, Projektleiter für den Ausbau bei der Bochumer Regionalniederlassung von Straßen NRW.

Der Bauabschnitt A betrifft zunächst nur Wattenscheider Gebiet, etwa 800 Meter vor der Bahnhofstraße. Abschnitt B reicht bis zur Walzwerkstraße, die Arbeiten dort sollen bis 2010 andauern. Stahlhausen komplettiert die Maßnahme; dort will der Landesbetrieb in den nächsten zwei Jahren Leitungsverlegungen vorziehen, bevor das Kreuz entsteht. Es müssen Versorgungsleitungen gelegt werden, etwa für die Emschergenossenschaft oder auch für Krupp. Im Herbst, so schätzt Witte, könnten die ersten eigentlichen Bauarbeiten beginnen. Autofahrer müssten auch dann keine erheblichen Beeinträchtigungen auf der ohnehin stauintensiven Strecke befürchten. „Das Baufeld liegt größtenteils außerhalb der Fahrbahnen; höchstens Standspuren werden genutzt, Anschlussstellen kurzfristig verlegt, mitunter fällt für ein paar Tage eine Fahrspur weg. Aber das Kreuz soll nie gesperrt werden.“

Der Ausbau des Westkreuzes werde nicht vor 2010 erfolgen. Insgesamt wird sich die Autobahnverbreiterung bis 2012 hinziehen; die Baumaßnahme kostet ca. 99 Millionen Euro.

Zur „Bochumer Lösung“ gehört auch der Neubau der Querspange A 44 als Verbindung zwischen dem Nordhausen-Ring und dem Kreuz Bochum/Witten (A 43/A 44). Der Planfeststellungsbeschluss ist veröffentlicht und liegt bei der Stadt bis zum 3. März aus. Einsicht nehmen kann bis dahin jeder, der Einwand gegen die Ausbaupläne erhoben hat. Innerhalb eines Monats steht dann der Klageweg gegen den Beschluss offen. Beklagter ist dann nicht der Landesbetrieb, sondern die Behörde im Düsseldorfer Ministerium. „Wir müssen die Zeit erst abwarten. Ich gehe davon aus, dass Klagen erhoben werden“, sagt Nadine Lewandowski, Projektleiterin für die Bochumer Lösung. Zwar gehört die A 44-Querspange zum so genannten Planungsbeschleunigungsgesetz, d.h., es wird bei Klagen das Oberverwaltungsgericht Münster als Instanz übersprungen. „Doch auch beim Bundesverwaltungsgericht Leipzig kommt es darauf an, wie die Auslastung ist.“ In diesem Jahr, so Lewandowski, werde nichts passieren. Der Neubau der Querspange wird etwa 41 Millionen Euro kosten.

 

KOMMENTAR

Kahlschlag

Jetzt ist das Ausmaß der Rodungen entlang der A 40 bei Stahlhausen dramatisch sichtbar. Acht Hektar Bäume (80 000 Quadratmeter) müssen für den sechsspurigen Ausbau weichen. Nicht nur eingefleischte Naturschützer knirschen angesichts des Kahlschlags mit den Zähnen.

Zwar, so verspricht der Landesbetrieb Straßenbau, werde neu gepflanzt, doch erst in einigen Jahren, wenn die 99 Millionen Euro schwere Baumaßnahme abgeschlossen sein wird. Bis dahin wird das Grün nicht nur als Luftverbesserer fehlen, sondern auch als natürlicher Lärmschutz für die Nachbarn der A 40.

Doch was wäre die Alternative? Über die täglichen Staus stöhnen alle, die die Autobahn nutzen (müssen). Eine zusätzliche Fahrspur für beide Richtungen wird später nicht für durchweg freie Fahrt sorgen können, zumal die Zahl der Kfz zunehmen wird um ein Fünftel innerhalb der nächsten sieben Jahre. Doch nichts zu tun hieße, die Lage zu verschlimmern.

Sabine Vogt

WAZ, 15. Februar 2008


Leserbriefe dazu vom Samstag, 16. Februar 2008

» Abholzung an der A 40

Trassenbreite von über 80 Metern

Die A 40 soll im gesamten Bauabschnitt „Kreuz Stahlhausen" an keiner Stelle auf sechs Spuren ausgebaut werden. Vielmehr entsteht ein Gebilde ähnlich dem so genannten Spaghetti-Knoten in Duisburg. Der gesamte Bauabschnitt wird (nach Plan) auf acht oder zehn Spuren ausgebaut. Die Trassenbreite wird über achtzig Meter betragen.

Es bestehen mehrere Klagen von direkten Anliegern, in deren Wohnbereich die Werte für Luftschadstoffe und Schall massiv überschritten werden. Über diese Klagen wurde durch das Oberverwaltungsgericht noch nicht entschieden. Durch das Gericht wurde, bei der Ablehnung der Wiederherstellung der aufschiebenden Wirkung unserer Klagen, ganz besonders herausgestellt, dass dies keine Vorentscheidung im Hinblick  auf die Hauptsache ist. Ebenso wurde gerichtlich deutlich gemacht, dass der Vorhabenträger (Landesbetrieb) auf eigenes finanzielles Risiko mit dem Ausbau beginnen kann. Dies bedeutet, dass mit unser aller Steuergelder spekuliert wird. Sollte das Oberverwaltungsgericht Münster feststellen, dass die EU-Grenzwerte für Luftschadstoffe auch für Wattenscheider Autobahnanwohner gelten, wird Landesverkehrsminister Wittke ein Problem haben.

Werner Xxxxxxx

» Abholzungen an der A 40

Industrie und Bäume verschwinden

Nicht nur dass in Bochum die Industrie (NOKIA) verschwindet, hier werden gleich die Bäume (Natur) mit wegrasiert. Bochum was habt ihr eigentlich für Lokalpolitiker in Eurer Stadt ? Kommt mir bloss nicht mit der Ausrede, dass bei Euch die SPD regiert!

Ingeborch Xxxxxxx

»Abholzungen an der A 40

Für welche Zukunft bauen wir?

Überall wo man hinguckt wird gerodet und abgeholzt. Wir bauen für die Zukunft! Für welche Zukunft????? Grüne Lungen werden zerstört, damit man sich hinterher über Erderwärmung und Feinstaub äußern kann.

Ursula Xxxxxxx

 


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