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WAZ vom 15.06.2005, auf der Homepage seit dem 15.06.2005

Thyssen-Krupp: Am Feinstaub nur zu zehn Prozent beteiligt

Von Tom Jost

Bevor der erste Schritt zu einem Luftreinhalteplan unternommen wird, um Feinstäube in der Bochumer Luft zu reduzieren, hat Thyssen-Krupp vor der Politik versichert, an der Belastung nur wenig beteiligt zu sein. Der Umweltbeauftragte Horst Lechterbeck sagte, man trage „höchstens zehn Prozent“ dazu bei.

Auch wenn man das Nirosta-Stahlwerk in Höntrop schließe, so der TKS-Mann, „wird es nicht deutlich besser“. Rund drei Viertel der Feinstaub-Belastung stammten aus dem Fernverkehr und der Wetter-Entwicklung.

Hintergrund ist die anstehende Halbjahres-Auswertung der einzigen Bochumer Feinstaub-Messstation an der Maarbrücke. Wegen der vorherrschenden Südwest-Windströmung zeichnet sie hauptsächlich Belastungen auf, die aus dieser Richtung aufkommen. Der A-40-Verkehr findet sich nach Expertenmeinung kaum wieder.

Fortsetzung auf Seite 3

TKS: Unsere Filter halten 20 000 Tonnen Staub zurück

Vor Politikern des Wirtschafts- und des Umweltausschusses breiteten Lechterbeck und sein Kollege Dr. Wolfgang Volkhausen gestern die Bemühungen von Thyssen-Krupp aus. Danach hat der Konzern in Bochum seit 1997 fast 12 Mio Euro zur Staubreduzierung ausgegeben.

Seit Anfang der 70-er Jahre sei die durchschnittliche Staubbelastung im Ruhrgebiet von 200 auf knapp 30 Mikrogramm pro Kubikmeter gesunken. Laut EU reicht das aber immer noch aus, um die Lebenserwartung der Menschen um 300 Tage zu verkürzen.

Die Maßnahmen von TKS wirken nicht überall. Ein Vorher-Nachher-Vergleich zum Bau der neuen Trockenentstaubung habe gezeigt, dass die Chrom- und Nickel-Belastung teilweise beträchtlich gesunken sei. Feinstäube blieben aber konstant. Lechterbeck: „Wir fangen rund 20 000 Tonnen Staub pro Jahr auf. Das ist so viel, wie man es mit Gewebefiltern hinkriegen kann.“

Auf Nachfrage von Uwe Vorberg (PDS) räumte der TKS-Umweltbeauftragte allerdings indirekt ein, dass der Grenzwert für Chrom-Belastungen erreicht sei. Bei Nickel, wo es offenbar Überschreitungen gibt, komme es aber auf die chemische Verbindung an: „Und gefährliche Verbindungen liegen nicht vor.“



Maßnahmen gegen Feinstaub rücken näher:

Leistungs-Schau

Von Tom Jost

Bevor noch jemand so richtig auf das Unternehmen mit dem Finger gezeigt hat, ist Thyssen-Krupp in der Feinstaub-Diskussion offensiv geworden. Das Bochumer Stahlwerk sei sicherlich eine Staubquelle - doch die beherrsche man „im wesentlichen“. Zur Verbesserung der Luftqualität habe man schließlich fast 12 Mio Euro ausgegeben.

Zwei Dinge fielen in der gestrigen Leistungsschau auf: Zum einen verfügt TKS über aktuelle Messdaten, auf die das städtische Umweltamt vorgeblich warten muss - und ohne die keine Maßnahme erfolgen könnten. TKS beharrt zudem darauf, dass man zu den Messergebnissen der Station an der Maarbrücke wenig beitrage - aber mit Rückgängen bei Chrom und Nickel, die dort aufgezeichnet wurden, bekränzt man sich dann doch gerne.

Inzwischen ist der Feinstaub-Grenzwert in Stahlhausen schon wieder mehrfach deutlich überschritten und rücken Abwehr-Maßnahmen in greifbare Nähe. Doch die Politik möchte weder ein 3300-Mitarbeiter-Unternehmen behelligen noch den Verkehr in Bochum einschränken. Das Publikum darf gespannt sein, wo stattdessen Aktions-Staub aufgewirbelt wird.

WAZ, 15. Juni 2005


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