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WAZ vom 14.05.2007, auf der Homepage seit dem 14.05.2007

DAS MONTAGSGESPRÄCH: HEUTE MIT WOLFGANG CORDES

Nein, ich gehe nicht hin“

Beim ersten Spatenstich zur „Bochumer Lösung“ wird Grünen - Fraktionschef Wolfgang Cordes demonstrativ fehlen. Alle Bemühungen um eine kleinere Ausbauvariante blieben bisher erfolglos

Herr Cordes, am Mittwoch soll der erste Spatenstich zur A-40-Erweiterung erfolgen...

Cordes: Ich bedaure das. Dieses Projekt ist nicht mehr aktuell, nicht mehr zeitgemß. Auch jene, die es vor zehn Jahren befürworteten, sollten jetzt umdenken.

Gehen Sie hin? Der Minister kommt ja auch.

Cordes: Nein, gehe ich nicht. Und zwar aus grundsätzlichen Verkehrs- und ökologiepolitischen Erwägungen. Wir haben inzwischen eine Klimadiskussion, die das Umsteuern noch dringlicher macht, wir haben eine Feinstaub-Diskussion. Diese Erweiterung ist Teil der Bochumer Lösung und somit der Versuch, überregionale Verkehrsprobleme auf dem Rücken der Bevölkerung in Wattenscheid, Günnigfeld und im Bochumer Süden zu lösen.

Mit Verlaub: Die Grünen haben der kompletten „Bochumer Lösung“ mit A-40-Ausbau, Westkreuz, Ring-Hochstufung und Opel-Spange zugestimmt.

Cordes: Kommunal nicht - das war damals ein Kompromiss der Landes-Grünen über unsere Köpfe hinweg. In Bochum haben wir 1999 in den Koalitionsverhandlungen versucht, eine kleinere Lösung durchzusetzen. Eine Lösung, die nicht in die Navigationsprogramme der Speditionen einprogrammiert worden wäre. Diese wurde auch in Düsseldorf mit Wolfgang Clement diskutiert, aber er beharrte auf seinem Nein. So blieb uns nur, in dieser Frage im Koalitionsvertrag den Dissens festzuschreiben. Aktuell können wir bloß noch darauf achten, dass die Günnigfelder Ortsumgehung wenigstens zeitnah mit angepackt wird. Sonst wird während der Umbauphase der ganze Verkehr nach Gelsenkirchen durch diesen Ortsteil rauschen.

Kann es sein, dass Grüne in der Hoffnung zugestimmt haben, die Zeit werde das so ähnlich erledigen, wie es beim Metrorapid geschah?

Cordes: Ich habe nie an diese Zeit-Lösung geglaubt. Was uns jetzt aber in die Hände spielt, sind die sinkenden Bevölkerungszahlen, die Klimadiskussion. Und der steigende Spritpreis.

In Bochum ist der Fahrzeugbestand bei rückläufiger Tendenz fast wieder auf dem Stand von 1997.

Cordes: Stimmt ebenfalls. In Europa steigt er allerdings und der Güterverkehr droht zu explodieren. Irgendwann muss der vom Lkw auf die Schiene.

Gegen die A-40-Planfeststellung laufen inzwischen diverse Klagen. Ihre Prognose?

Cordes: Ich weiß es nicht. Es wird darauf ankommen, wie die Gerichte den Gesundheitsschutz sehen. Dass bisher die Feinstaub-Belastung durch eine Autobahn nicht eingerechnet wurde, kann man keinem verständlich machen. Die Lungen der Wattenscheider machen null Unterschied zwischen lokalem Staub und dem von der Fernstraße.

Die komplette „Bochumer Lösung“ wurde anno 1998 mit 220 Millionen DM veranschlagt. Mittlerweile sind allein beim Westkreuz aus 40 Mio schon 71 Mio Euro geworden. Wo soll das alles enden?

Cordes: Das wäre wirklich reine Spekulation. Trotzdem müssen wir auf vernünftigen Lärmschutz achten - und der wird teuer.

Ein Blick in die Zukunft: Im Jahr 2017 macht der VfL erneut das Bundesliga-Finale ganz spannend. Werden die Bochumer entlang der alten und neuen Autobahntrassen in Ruhe der Übertragung lauschen können - oder doch vom Verkehrslärm zugedröhnt?

Cordes: Ich befürchte das zweite. Aber ich hoffe, dass wir im Bund und in Europa bis dahin Wege gefunden haben, anders mit Mobilität umzugehen. Das muss einfach gelingen. Sonst führt es in die Katastrophe.        jst

 

 

Auf vier Spuren durch die Bauphase

In dieser Woche beginnt mit dem offiziellen Spatenstich der sechsspurige Ausbau der A 40 zwischen Gelsenkirchen und Stahlhausen. Erstes sichtbares Zeichen soll der Neubau der Fußgängerbrücke „Hohenstein“ bis Dezember sein. Im Juli beginnen zudem gewisse Vorlauf-Maßnahmen, zum Beispiel die Verbreiterung von Standspuren und die Reparatur von Fahrbahnschäden. Für täglich 100 000 Fahrzeuge sollen in der Bauphase vier Fahrspuren vorgehalten werden.

WAZ, 14. Mai 2007

 


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