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WAZ vom 14.01.2009, auf der Homepage seit dem 14.01.2009

THEMA: DAS BOCHUMER WESTKREUZ KOMMT

 

Erste Vorarbeiten beginnen noch in diesem Jahr. Dazu werden insgesamt sechs neue Brücken im Bereich der jetzigen A 40 Ausfahrt Stahlhausen errichtet

 

Spaghetti-Knoten Numero Zwo

Von Michael Weeke

 

Auf einer Fläche von knapp einem Quadratkilometer, beinahe die Größe des Bochumer Stadtkerns, entsteht das Westkreuz. Der neue Autobahnknotenpunkt, Herz der sogenannten Bochumer Lösung, verbindet den Donezkring (der dann voraussichtlich den Titel A 441 führen wird) mit der A 40. Eine Herausforderung für die Planer ist dieser Spaghetti-Knoten des Reviers Numero zwo, die Eins bleibt für das Kreuz-Kaiserberg reserviert, vor allem, weil der Autoverkehr in alle Richtungen nicht unterbrochen werden soll.

 

Was für die Gegner des Ausbaus einzig und allein eine Zunahme von Lärm- und Schadstoffimmissionen ist, bedeutet für den Bauherrn, der Landesbetrieb Straßen.NRW, eine deutliche Verbesserung der Verkehrssituation. Ein verbittert geführter Streit, der sich bis zu den allerersten Planungen in den späten 60er Jahren zurückverfolgen lässt.

Rolf Witte, der das Projekt für Straßen.NRW leitet, hat so gar nicht das Auftreten eines Autobahnfetischisten. Er äußert durchaus Verständnis für die Kritik der Anlieger. Ein weiterer Gerichtstermin von Klagen gegen den Ausbau steht übrigens am 21. Januar beim Oberverwaltungsgericht an.

 

Doch ist es Wittes Job nicht, dies und den möglichen Ausgang der Klagen zu bewerten. Bereitwillig erläutert der Planer das Kartenmaterial. Er zeigt auf die insgesamt sechs großen Brückenbauwerke, die die Straßen miteinander verknüpfen. Die höchste Brücke schwebt rund acht Meter über dem Boden. An dieser Stelle liegen gleich drei Fahrbahnen übereinander. Erleben können diesen Höhenrausch Autofahrer, die aus Richtung Dortmund auf den Donezkring abbiegen möchten.

 

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Beinahe die Größe des Bochumer Stadtkerns hat das künftige Westkreuz. Es wird die Fläche von knapp

einem Quadratkilometer bedecken. WAZ-Repro: Karl Gatzmanga

 

Bereits vor dem offiziellen Baubeginn im Jahr 2010 laufen Vorarbeiten. Mit den Brücken wird noch in diesem Jahr begonnen. „Dies ist nötig, um unnötige Verkehrsbehinderungen zu vermeiden”, sagt Witte. Immer wieder muss bis zur geplanten Fertigstellung 2012 der Verkehr verlegt werden. Denn allein mit der Verknüpfung der beiden Autobahnen ist es nicht getan. Es gilt, die Wattenscheider Straße völlig umzukrempeln und direkt an die Hansastraße anzubinden. Künftig entsteht, wo jetzt schon die Darpestraße auf die Hansastraße trifft, eine große Kreuzung, dann übrigens die einzige Möglichkeit, um per Auto direkt auf die Bochumer Straße in Richtung Wattenscheid-Mitte zu gelangen. Die jetzige Brücke über die A 40 wird später abgerissen.

 

Technischer Clou der Lösung: Allein die Straßenbahn wird in Zukunft über eine Rampe direkt auf die Wattenscheider Straße/Bochumer Straße geführt. Die Linie 302 erhält etwa von der Höhe der jetzigen Einmündung des Donezkringes an ein komplett eigenes Gleisbett, was den Bahnverkehr beschleunigen dürfte.

 

Rolf Witte verrät noch ein für Autofahrer nicht unwichtiges Detail. Auf einem Strommasten ein wenig unterhalb des Thyssen-Krupp-Werkes wird später eine Webcam montiert: „Damit können sich die Autofahrer vorab im Internet informieren, ob es Stau gibt oder nicht.” Vorgesehen ist dieser nach dem sechsspurigen Ausbau eigentlich nicht mehr.

 

 

Autobahnkreuz soll 60 Millionen Euro kosten

 

Daten und Fakten rund um diese größte Bochumer Straßenbaustelle

 

·                     Das Autobahnkreuz soll rund 60 Millionen Euro kosten. Größter Einzelposten ist eine etwa 45 Meter breite Unterführung (8,5 Mio), die bei laufendem Werksverkehr unter der ThyssenKrupp-Bahn gebaut wird.

 

·                     Zur Vorbereitung für den Bau müssen zig Kilometer Gasleitungen, Stromkabel, Kanäle und Wasserleitung neu verlegt oder umgelegt werden.

 

·                     Zur Zeit läuft die Bergbauerkundung. In etwa 20 Metern Tiefe unter dem Kreuz verläuft ein Kohleflöz. Hohlräume sollen aufgespürt und bei Bedarf verfüllt werden.

 

·                     Immer wieder muss der Kampfmittelräumdienst ausrücken. Bis jetzt mussten bereits acht Bomben aus dem 2. Weltkrieg entschärft werden.

 

·                     Bis zu 30 kleine und große Firmen sind mit den Bauarbeiten beschäftigt. Die Arbeiten sind in verschiedene Baulose eingeteilt, die jeweils einzeln ausgeschrieben werden.

 

·                     Etliche Bäume stehen den Trassen im Wege. Das Holz wird für von der Spanplattenindustrie oder Heizkraftwerken genutzt. Straßen NRW sichert Ersatzpflanzungen für die gefällten Bäume zu.

 

·                     Zwei Tankstellen müssen weichen. Außerdem werden Bauten der ehemaligen Tankstelle an der Wattenscheider Straße abgerissen.

 

 

Fotostrecke: Das Westkreuz kommt

 

 

 

WAZ, 14. Januar 2009

 


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