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WAZ vom 13.10.2010, auf der Homepage seit dem 14.01.2010

Bochum verteilte 2009 fast 6000 Feinstaub-Knöllchen

Kirsten Simon

Bochum. 5814 Autofahrer sind im vergangenen Jahr in Bochum ohne Plakette in der Umweltzone erwischt worden. 2010 will die Stadt nun nutzen, um Erfahrungen aus der Umweltzone Ruhrgebiet zu sammeln. Erst dann werde drüber nachgedacht, möglicherweise die Autos mit den roten Plaketten auszusperren.

Seit über einem Jahr pappen auf den Frontscheiben der Autos nun Aufkleber in Ampelfarben. Rot, gelb oder grün. Seitdem Teile deutscher Städte zur Umweltzone erklärt worden sind, benötigen Autos, die dort durch möchten, eine dieser ampelfarbenen Feinstaubplaketten. Messstellen im Stadtgebiet sollen ermitteln, ob die Luft seit der Einführung der Plaketten besser wird. Jetzt gibt es in Bochum folgendes Phänomen: Seit dem vergangenen Jahr gibt es nämlich keine einzige offizielle Feinstaubmess-Station für diese Zwecke mehr. Die einzige, die für die Evaluation der Luftschadstoffe gedacht war, ist wegen der Baustelle auf der Herner Straße wieder weggekommen.

„Das Jahr 2010 soll dazu genutzt werden, Erfahrung aus der Umweltzone Ruhrgebiet zu sammeln“, sagt Gerhard Zielinsky, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamts. Erst nach Ablauf dieses Jahres werde dann darüber nachgedacht, möglicherweise die Autos mit den roten Plaketten auszuschließen und ihnen ein Fahrverbot für die Umweltzone zu erteilen. Für Bochum gelte, so die Auskunft der Stadt, dass man sich auf die Ergebnisse der Messstationen in den benachbarten Städten stützt. Zuletzt sei ein leichter Rückgang von Schadstoffen in der Luft zu verzeichnen gewesen. Aber der Experte vom Umweltamt warnt auch vor zu viel Euphorie: „Man muss bei solchen Ergebnissen auf jeden Fall auch die Großwetterlage berücksichtigen.“ Die Windrichtung oder Nebel beispielsweise würden sich auf die Schadstoffbelastung auswirken.

40 Euro Bußgeld und Punkt in Flensburg

Seitdem es die Umweltzonen gibt, die für Autofahrer durch viereckige Verkehrsschilder (roter Kreis auf weißem Grund, dazu die Aufschrift „Umweltzone“) kenntlich gemacht werden, werden die Fahrzeuge auch in Bochum kontrolliert. Ordnungsamt und Polizei achten dabei ganz genau auf die Frontscheiben und somit auf die Plaketten. Wer keinen Aufkleber auf seiner Scheibe pappen hat, muss zahlen. 40 Euro Bußgeld plus Bearbeitungsgebühr, hinzu kommt ein Punkt in Flensburg - wie 5 814 Verkehrsteilnehmer allein im vergangenen Jahr in dieser Stadt erfahren haben. Denn so viele Fahrzeuge sind in der Bochumer Umweltzone verwarnt worden, weil sie ohne Plakette unterwegs waren. „Meistens waren Ordnungsamt und Polizei zusammen im Einsatz“, sagt Polizeisprecher Frank Plewka. Grundsätzlich gelte, so die Auskunft bei der Stadt Bochum, dass das Ordnungsamt für die Kontrolle des parkenden Verkehrs zuständig ist und die Polizei den fließenden Verkehr überprüfe.

Da das laufende Jahr als Beobachtungsjahr im Ruhrgebiet betrachtet wird, müssen die Autofahrer bis Ende Dezember mit keinen Änderungen rechnen, darauf weist das Umweltamt hin. Im nächsten Jahr soll entschieden werden, wie mit den Umweltzonen künftig verfahren wird. Die Messstelle an der Herner Straße soll erst einmal nicht zurückkommen oder durch eine andere ersetzt werden: „Das Land hält nur eine begrenzte Zahl von Messcontainern bereit“, sagt Gerhard Zielinsky.

WAZ, 13. Januar 2010


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