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Bochumer Studierenden Zeitung vom 12.01.2005, auf der Homepage seit dem 08.03.2005

Grenzwerte für Feinstaub an der A 40 zu hoch

Es liegt was in der Duft

Seit Anfang dieses Jahres gelten in der EU strengere Grenzwerte für feine Staubpartikel. Eine aktuelle lufthygienische Untersuchung ergab, dass die Grenzwerte für diesen Luftschadstoff in großen Teilen des Bochumer Stadtgebiets entlang der A 40

Feinstaub ist deutlich kleiner als normaler Hausstaub, die Teilchen haben einen Durchmesser von höchstens 10 Mikrometern und sind mit bloßem Auge nicht erkennbar. Seine Größe ist es auch, die Feinstaub gefährlich macht: Derart kleine Partikel können im Nasen-Rachen-Raum nicht mehr ausgefiltert werden und daher - je kleiner, desto tiefer - bis in die Lunge vordringen. Dort lagern sie sich in Lungenbläschen ab und erhöhen die Anfälligkeit für Infektionen und Atemwegserkrankungen. Als besonders schädlich gelten die feinsten Partikel aus Dieselabgasen, da sie Träger krebserregender Stoffe sind und das Lungenkrebsrisiko vergrößern.

Lufthygienische Untersuchung ergibt hohe Belastung

Im Rahmen des Planfeststellungsverfahrens für das Westkreuz in Bochum-Stahlhausen legte ein Karlsruher Ingenieurbüro im August 2004 eine „lufthygienische Untersuchung" vor, nach der die seit dem 1. Januar 2005 in Deutschland geltenden Grenzwerte in Bochum deutlich überschritten werden. Bereits ohne das Westkreuz wird der Schwellenwert von 27 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) in Stadtteilen wie Stahlhausen, Wattenscheid, Hamme und Hordel flächenhaft überschritten. Nach den neuen Bestimmungen darf die Belastung im Jahresmittel nicht über 40 µg/m3 liegen und ein Tagesgrenzwert von 50 µg/m3 an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden.

Die Bürgerinitiative gegen die geplante Autobahn A 44 zwischen Düsseldorf, Bochum und Dortmund (DüBoDo) rechnet auf Basis dieser Untersuchung damit, dass bei einem Weiterbau der Autobahn auch im Bochumer Süden die Grenzwerte deutlich überschritten würden.

Umweltschützerinnen drohen mit Klagen

Das Bundesumweltministerium hat Anfang des Jahres die Städte und Gemeinden darauf hingewiesen, dass sie zur Umsetzung der EU-Luftreinhalte-Richtlinie auch Fahrverbote (z.B. für ältere Autos oder Lastwagen) aussprechen können. Auch mit anderen Maßnahmen wie lokalen Tempobegrenzungen, verstärktem Einsatz von Rußfiltern in Schornsteinen und Dieselfahrzeugen sowie der Ausrüstung öffentlicher Verkehrsmittel mit Gasmotoren kann der Ausstoß von Feinstaub eingeschränkt werden.

Nach Ansicht des Umweltschutzverbands BUND reichen bloße Absichtserklärungen allerdings nicht aus, um das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit zu schützen. Der BUND hat deshalb in besonders stark belasteten Städten wie Berlin, Hamburg, München oder Hannover juristische Schritte eingeleitet.

Aktionsplan von Stadt gefordert

Nach 47 des Bundesimmissionsschutzgesetzes haben die von überschrittenen Grenzwerten Betroffenen, Anspruch auf einen kurzfristig wirksamen Aktionsplan zur Verminderung der Schadstoffbelastung. Daher fordert die Bürgerinitiative gegen die DüBoDo von der Stadt Bochum die unverzügliche Aufstellung eines solchen Aktionsplans innerhalb der ersten sechs Monate dieses Jahres. Ob sie damit bei der traditionell autofreundlichen Lokalpolitik Erfolg haben, bleibt allerdings abzuwarten.

mac

Weitere Infos (u.a. ein Verzeichnis der betroffenen Straßen) unter www.stopp-duebodo.de

Bochumer Studierenden Zeitung, 12. Januar 2005


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