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WAZ vom 11.03.2006, auf der Homepage seit dem 11.03.2006

Benzol-Belastung gibt Rätsel auf

In der Grundschule Am Volkspark wurde trotz intensiver Suche kein Auslöser festgestellt. Hoffen auf Messfehler

Von Bert Giesche

An der Grundschule Am Volkspark in Langendreer sind bei Messungen im Oktober und November 2005 erhöhte Benzol-Werte festgestellt worden, doch bislang war kein Auslöser für die Belastung festzustellen. Mit „Detektivarbeit“ versucht die Stadt das Problem zu lösen, das nach Hinweisen besorgter Eltern auch in der Bezirksvertretung Ost behandelt wurde.

Bei 30 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft liege die Benzol-Belastung in einigen Räumen, erklärte Ulrich Wicking, Leiter des Schulverwaltungsamtes. Das sei „nicht gesundheitsgefährdend, aber auf Dauer nicht tolerabel“. Doch bislang hat man trotz aller Untersuchungen die Ursache nicht gefunden. Leicht rätselhaft wird die Geschichte dadurch, dass die Schule erst 1999 für 500 000 Euro und mit gesundheitsfreundlichen Substanzen saniert wurde und dass drei Jahre später bei einer Messung kein Benzol gefunden wurde.

Die Stadt verfolgt jetzt drei Möglichkeiten: Wenn eine Ursache (etwa eine plötzliche chemische Reaktion) auftaucht, wird diese beseitigt. Wenn keine Ursache gefunden wird und die Belastung bleibt, muss über eine Auslagerung des Lehrbetriebs nachgedacht werden. Am liebsten wäre allen Beteiligten, wenn sich ein Messfehler herausstellen sollte.

Um dies zu klären, nehmen Mitarbeiter des Gesundheitsamtes nächste Woche erneut Proben in der Schule. Diese werden dann aber nicht wie bisher an eins, sondern an mehrere Institute zur Analyse geschickt. Noch vor den Osterferien soll das Ergebnis in einer Eltern-Versammlung bekannt gegeben werden.

Die Eltern sind natürlich besorgt über das Geschehen. Schulpflegschaftsvorsitzende Irmgard Kühn kritisierte in einem Schreiben an die WAZ eine „zeitliche Verschleppung des Problems durch den Schulträger“. So habe die Stadt weitergehende Untersuchungen wie Messungen der Außenluft und Kernbohrungen in Wänden erst auf Drängen der Eltern durchgeführt.

Ulrich Wicking, selber Vater von vier Kindern, versuchte im Gespräch mit der WAZ die Wogen zu glätten: „Wenn es eine konkreten Anlass für eine gesundheitliche Gefährdung von Kindern in der Schule gäbe, wäre ich der erste, der sagen würde, wir müssen Maßnahmen ergreifen.“

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Risiken durch Benzol

Benzol ist ein weitverbreiteter Stoff, der nicht nur in chemischen Produkten (Reinigungsmittel, Schmierstoffe), sondern auch in der Natur (Rohöl, Vulkane) vorkommt Wer hohe Dosen einatmet, riskiert u.a. Kopfschmerzen oder Schwindel. Eine Langzeitbelastung greift vor allem das Blut an, kann zu Anämie oder gar Leukämie führen.

WAZ, 11. März 2006


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