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WAZ online vom 10.03.2010, auf der Homepage seit dem 11.03.2010

Verkehr

 

Am künftigen A40-Westkreuz regieren die Bagger

 

 

Von Michael Weeke

 

 

Bochum. Das Prämienmodell der Baustellenmanager macht es möglich. Die Arbeiten an der A40 und dem Bochumer Westkreuz sind der Zeit voraus, zum Teil um einige Monate. StraßenNRW erklärt die aktuelle Situation auf der Mega-Baustelle.

 

Im Modell sieht es wunderbar perfekt aus. Das Bochumer Westkreuz passt, kompakt unter Plexiglas sorgsam vor Staub geschützt, in einen einzigen, vielleicht vier-mal-vier Meter großen Raum. Sogar die Autos sind schon da. Ein Stau ist weit und breit nicht zu sehen. Vielleicht sollen ja die Besucher, die dort künftig maßstabsgetreu die Zukunft mit der Baustellenwirklichkeit draußen vergleichen können, nicht unnötig irritiert werden. Oder, es gab - ganz profan - nicht genügend kleine Plastik-Autos.

 

Draußen, wenige hundert Meter von der Modell-Wirklichkeit entfernt, bemühen sich gerade ein gutes Dutzend Bagger und mehr als 50 Bauarbeiter, Vermesser, Ingenieure, Brückenspezialisten und, nicht zu letzt fünf Bauüberwacher des Bauherrn StraßenNRW, die Wirklichkeit an der A 40 der Planung anzupassen. „Wie Sie sehen, ist hier schon richtig was los. Und dabei haben wir mit diesem Abschnitt gerade erst angefangen“, sagt StraßenNRW-Projektleiter Rolf Witte.

 

Jeweils zwei Spuren in jede Richtung

 

Seit wenigen Tagen rollt der Verkehr nach dem Prinzip „Vier plus Null“: Jeweils zwei Spuren in jede Richtung auf einer Autobahnhälfte. Bei dem aktuellen Abschnitt zwischen Bahnhofstraße und Walzwerkstraße liegt der Schwerpunkt auf der südlichen Straßenseite. In den nächsten zwei Wochen müssen in diesem Bereich zwei Brücken teilweise abgerissen werden.

 

Am kommenden Wochenende geht es los mit der Bahnhofstraße. Zwischen Freitag, 12. März, 22 Uhr, und Montag, 15. März, 5 Uhr, bleibt die Bahnhofstraße gesperrt. Eine Woche später folgt die gleiche Prozedur, zu gleichen Zeiten einige hundert Meter weiter beim südlichen Brückenbauwerk über die Westenfelder Straße. Da dort die Autobahn nur wenige Meter von Wohnhäusern entfernt die Straße quert, hat StraßenNRW rund 80 Anwohnern angeboten, für die Zeit in Hotels zu ziehen. Wegen der Erschütterungen während der Abbruchzeiten.

 

Doch diese Maßnahmen sind recht bescheiden im Vergleich zu der Herkules-Aufgabe Westkreuz. Insgesamt sind Kosten in Höhe von rund 60 Millionen veranschlagt, Ende 2012 sollen die ersten Autos über diesen neuen zentralen Verkehrsknotenpunkt, dem eigentlichen Herz der „Bochumer Lösung“ rollen.

 

Änderung des Cityrings ist noch nicht entschieden

 

Obwohl noch einige Klagen dort, vor allem die Änderung des Cityrings in eine Autobahn nicht entschieden sind, haben gerade in den letzten Tagen massive Arbeiten begonnen. Insbesondere Baumfällarbeiten entlang der Eisenbahntrasse zum Industriegelände Carolinenglück und an der Böschung zum Thyssen-Krupp-Werk fallen ins Auge

Die Vorbereitungen für insgesamt drei neue Brückenbauwerke, darunter eine Eisenbahnbrücke, sind besonders aufwändig. In diesen Tagen schließen die Bohrfachleute die Sicherung des Untergrundes ab. Etwa 30000 Kubikmeter Spezialmasse flossen über etwa 1000 Bohrlöcher in die Erde. Bis zu 70 Meter tief drangen die Bohrer in die Tiefe vor. Es galt, unterirdische Lockerungen zu verfestigen. „Dies sind Folgen des Bergbaus in dieser Gegend“, so Witte. Das Carbon, also die kohleführende Erdschicht, steht in dieser Gegend bereits rund 22 Meter unter der Oberfläche an.

 

Im Bereich des künftigen Westkreuzes wurden zudem etliche Altlasten gefunden. Rund 20000 Kubikmeter belasteter Boden mussten auf eine Sonderdeponie abtransportiert werden.

 

 

 

 

KOMMENTAR

 

Die Zeit der Rückzugsgefechte

 

Michael Weeke

 

Die Gegner der DüBoDo mögen es als Hohn empfinden: Ihre Klagen, insbesondere das Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht, sind nicht entschieden, und doch rücken die Baumaschinen scheinbar unaufhaltsam voran. Allesamt haben die gerichtlichen Auseinandersetzungen keine aufschiebende Wirkung. Doch rein formal betrachtet, baut das Land ohne höchstrichterliches Plazet, theoretisch mit hohem Risiko.

 

Aber das Risiko ist kalkuliert. Im Grund, so behaupte ich, haben die DüBoDo-Gegner längst resigniert, die laufenden Verfahren sind im Grunde Rückzugsgefechte. Da dieser im Grunde jahrzehntelange Konflikt zum Teil mit fast militärischer Finesse - auf beiden Seiten übrigens - geführt wurde, sei dieses Bild erlaubt.

 

Ende April - ein Schelm, wer nicht an den Landtagswahltermin denkt - versammeln sich übrigens Minister und Lokalprominenz zum Spatenstich am Westkreuz. Wer weiß, vielleicht nutzen die Gegner dies, um wenigstens dort die Hoheit über die Bilder zurück zu gewinnen.

 

 

 

WAZ, 10. März 2010


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