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WAZ vom 09.11.2006, auf der Homepage seit dem 09.11.2006

An der „Herner“ staubt's ganz gewaltig

Eine Hochrechnung durch Gutachter belegt, dass das Feinstaub-Problem erheblich größer ist als bislang dargestellt. Insbesondere der Innenstadt-Ring und die Einfallstraßen sind kritisch belastet. Ein Aktionsplan werde „zurzeit nicht vordringlich verfolgt“, sagt die Verwaltung

Von Tom Jost

Im Stadtgebiet gibt es - wie schon seit längerem vermutet - weit mehr Straßen mit unzulässig hoher Feinstaub-Belastung als bisher offiziell eingeräumt. Das teilte die Verwaltung am Dienstag im Umweltausschuss mit. Nach einer gutachterlichen Hochrechnung wird auf 22 Straßenabschnitten der Feinstaub-Grenzwert an mehr als 35 Tagen überschritten (in der Regel an 50 Tagen plus X). Beim Stickstoffdioxid kommen die Sachverständigen auf zwölf Bereiche mit zu hohen Werten.

Besonders dicke Luft herrscht demnach an gleich fünf Stellen der Herner Straße: „Spitzenreiter“ der Belastungsrechnung ist danach der Abschnitt zwischen Verkehrsstraße und Rensingstraß. Als „lufthygienisch kritisch“ gelten auch Teile des innerstädtischen Rings sowie von Dorstener, Bochumer und Essener Straße. Dem Landesumweltamt hat die Stadt nun diese 22 kritischen Straßenabschnitte mit dem Ziel gemeldet, dort  Messstationen einzurichten. Sie sollen weiter untersucht werden.

Für den besonders stark belasteten Abschnitt der Herner Straße (zwischen Hiltroper und Verkehrsstraße) ist eine gesonderte Messstation beim Landesumweltamt beantragt worden. Diese sollte bereits Anfang Oktober aufgestellt worden sein und voraussichtlich ab Januar arbeiten. Doch auch fünf Wochen nach dem avisierten Termin lässt sie auf sich warten.

Wie geht es jetzt weiter? „Nach den gesetzlichen Bestimmungen“, teilt die Verwaltung mit, „sind ausschließlich die Bezirksregierungen für das Aufstellen von Luftreinhalte-und Aktionsplänen zuständig.“ Ein Aktionsplan für Bochum sei dort zwar vorgesehen, werde aber „zurzeit nicht vordringlich verfolgt.“

Die Bürgerinitiative gegen die Dü-Bo-Do stellt unterdessen fest, dass im Wattenscheider Bereich noch mit deutlich stärkeren Überschreitungen zu rechnen sei. Daher müsse im Bereich des Bahnhofs Wattenscheid/Wibbeltstraee eine Messstation aufgestellt werden - diese finde sich aber nicht in der Prioritätenliste.

Kein Wunder, denn in das Rechenwerk der Gutachter flössen lediglich „Stadtstraßen“ ein. Belastungszonen in der Nähe von Autobahnen blieben ausgeklammert, dafür sei das Landes-Umweltamt zuständig, heißt es. Ausschussvorsitzender Samir Khayat (Grüne) forderte die Verwaltung daher auf, „ein Gesamtbild“ mit allen Belastungszonen vorzulegen.


Gutmütig korrigiert

Eine einzige Messstelle für Feinstaub steht in Bochum: in A-40-Nähe an der Maarbrücke. Sie signalisierte schon 2004, dass die Feinstaub-Belastung an mehr als den erlaubten 36 Tagen im Jahr überschritten wird. Inzwischen hat das EU-Parlament die Grenze „bei ernsthaften Problemen“ auf 50 Jahrestage hochkorrigiert. Alle 22 berechneten Brennpunkte übertreffen auch diesen Wert.

WAZ, 9. November 2006


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