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Süddeutsche Zeitung vom 07.01.2008, auf der Homepage seit dem 07.01.2008

Studie

Die Feinstaub-Toten

Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt dramatische Zusammenhänge zwischen Herz- und Atemwegserkrankungen und Feinstaub auf.

Es sind Daten aus Österreich, und es sind erschreckende Daten. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien, die der österreichen Tageszeitung Der Standard teilweise vorliegt, zeigt die Zusammenhänge zwischen Herz- und Atemwegserkrankungen und Feinstaub auf.

In Auftrag gegeben wurde die Studie vom Gesundheitsreferat in der Sanitätsdirektion der Steiermark. Aus gutem Grund: Die steirische Landeshauptstadt Graz wird die „Feinstaub-Hauptstadt“ Österreichs genannt. Die Verantwortlichen der Stadt haben zudem immer wieder auf das Fehlen wissenschaftlicher Daten hingewiesen. Zu wenig wüsste man über konkrete Auswirkungen und die Hauptverursacher von PM10 und den noch kleineren PM2,5-Partikeln.

Erschreckende Zahlen

In der Studie nun finden sich erschreckende Zahlen über Erkrankungen und Mortalitätsraten in der Bevölkerung, die direkt mit Feinstaub zusammenhängen. Auch der hohe Anteil des Kfz-Verkehrs an der Feinstaubbelastung wird evident - und dass die geltenden Grenzwerte in der EU viel zu hoch seien.

Doch noch wartet der Autor der Studie, Manfred Neuberger vom Institut für Hygiene der Med-Uni Wien, der auch Daten zu Wien und Linz sammelte, auf die Freigabe seiner Erkenntnisse.

Keine Freigabe der Erkenntnisse

Neuberger und sein Team konnten nachweisen, dass es in Wien und Graz schon pro zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m3) zu einem Anstieg von Todesfällen um etwa 1,5 Prozent kommt. Diese Wirkung ist nach sieben Tagen sogar stärker als am ersten Tag - und zwar schon unter dem Grenzwert von 50 µg/m3. Neuberger: „Aus Sicht der Medizin müsste man die Grenzwerte für PM10 deutlich senken, anstatt einen Kniefall vor der Autolobby zu machen.“

 Messstellen umzurüsten wäre kein Problem

Für Graz, wo der Grenzwert 2006 an 120 Tagen überschritten wurde (oft sogar um das Dreifache), hieße das, dass es jedes Jahr Dutzende vorzeitige Sterbefälle aufgrund von Feinstaub gibt. Dabei wird in Graz ausschließlich PM10 und nicht - wie in Wien - auch der noch feinere PM2,5-Staub gesondert gemessen. Dieser Wert wird in Graz im gröberen PM10-Staub mitgemessen. Die Messstellen in Graz teilweise umzurüsten wäre kein Problem - die Werte wären dann noch alarmierender.

Menschen über 65 besonders betroffen

Besonders betroffen sind laut Neuberger Kinder und Menschen über 65. Dies belegen auch Aufnahmen in Krankenhäusern an Feinstaubtagen. Dass vor allem der Kfz-Verkehr und dabei besonders Dieselfahrzeuge Hauptverursacher sind, steht für Neuberger fest: „Mit den kleinen Rußpartikeln kann der menschliche Organismus nicht fertig werden. Sie gehen direkt ins Blut, ins Herz und in die Leber und beeinflussen auch das Gerinnungssystem.“

Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO kommt ebenfalls zu erschreckenden Ergebnissen: 310.000 Tote in Europa, 70.000 Tote in Deutschland jährlich wurden errechnet - allein aufgrund von Feinstaub.

Süddeutsche Zeitung, 7. Januar 2008


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