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RN /WAZ vpm 05.08.2008, auf der Homepage seit dem 05.08.2008

Neuer Schilder-Wald

Umweltzonen müssen genau gekennzeichnet werden / Viele Ausnahmen

BOCHUM Bochum forstet mächtig auf. 60000 Euro stehen im Raum für einen (Schilder-) Wald. Notwendig macht ihn der neue Luftreinhalteplan, der zum 1. Oktober in Kraft tritt.

Dann müssen Fahrzeugführer ganz genau aufpassen, ob sie ihrem Navi folgen dürfen oder nicht. Die zunächst geplante einheitliche Umweltzone im Ruhrgebiet ist vom Tisch - politisch nicht durchsetzbar. Dafür gibt es jetzt verschiedene Umweltzonen, die natürlich gekennzeichnet werden müssen.

Zufahrt zum Stadion 

In Bochum sind vor allem nördliche Stadtteile (bis Mitte) betroffen. Außerdem Bereiche von Wattenscheid. Dazu gibt es noch Sonderregelungen. Etwa auf dem Castroper Hellweg. Hier kamen Verwaltung und Land nicht auf einen Nenner, so dass die Stadt jetzt einen Abschnitt für LKW komplett sperrt. Aber auch in den Umweltzonen gibt es Sonderregelungen. So dürfen auch nach dem 1. Oktober PKW ohne Plakette bestimmte Ziele wie etwa das rewirpower-STADION oder die Jahrhunderthalle ansteuern.

Nicht genug der Sonderregelungen und Ausnahmen:Auf Antrag dürfen Bürger, die in einer Umweltzone wohnen, maximal noch ein Jahr mit ihrem „Stinker“ ihr Heim ansteuern. Gleiches gilt für Gewerbetreibende, die in der Zone ihren Firmensitz haben oder hier wohnen. Zunächst einmal eine sechsmonatige Schonfrist bekommen Handwerksbetriebe, um überhaupt zu ihren Auftraggebern kommen zu können. Diese Frist kann auf bis zu zwölf Monate ausgedehnt werden. Ganz befreit von Vorschriften werden Fahrzeuge von Schauöstellern und Zirkusbetriebe. Auch für bestimmte Fahrzeuge der öffentlichen Verwaltung gelten die Regeln nicht.

Wie das alles über die Bühne gehen soll, was das kostet und wo es die entsprechende Anträge gibt - die Stadt hat darauf keine endgültige Antwort. Gerd Zielinsky, Leiter des Grünflächen- und Umweltamtes, ist sich in einem Punkt sicher. Jeder Antrag ist mit einer Gebühr verbunden. Gestellt werden können sie nur beim Straßenverkehrsamt - voraussichtlich jedenfalls.

Viel einfacher haben es die Bürger, deren Fahrzeuge die Bedingungen für eine Plakette erfüllen. Sie können einfach zum Bürgerbüro kommen, legen 5 Euro hin, nehmen die Plakette, kleben sie ins Fahrzeug und fahren entspannt durch den neuen Schilderwald. thas

Busse besonders betroffen

Die Umweltzonen starten am 1. Oktober 2008. Von diesem Tag an dürfen Fahrzeuge ohne Plakette (rot, gelb oder grün) nicht mehr in die Zonen fahren. Von den ca. 190000 PKW in Bochum sind knapp 5 Prozent betroffen. Ganz anders die Situation bei den leichten Nutzfahrzeugen (gut ein Drittel), bei den LKW (ca. 28 Prozent) oder besonders bei den Bussen (über 40 Prozent). Bei Verstößen wird ein Bußgeld von 40 Euro fällig.

 

9200 Pkw haben noch keine Plakette

Der Luftreinhalteplan ist am Montag in Kraft getreten. Ernst wird es am 1. Oktober: Ab dann gelten die Umweltzonen

Von llias Abawi

Flickenteppich - das kommt einem spontan in den Sinn, sobald man sich die Umweltzonen im Ruhrgebiet auf einer Karte ansieht. Die einheitliche, flächendeckende Regelung - wie sie von der Stadt Bochum gefordert wurde - ist nicht von Erfolg gekrönt gewesen. Dafür bekommen nun neun Städte im Revier ihre eigenen kleinen Umweltzonen. Das Bochumer Exemplar umfasst dabei gerade einmal ein Drittel des Stadtgebietes.

Der Luftreinhalteplan, in dessen Rahmen die Zone entwickelt werden musste, ist bereits am Montag in Kraft getreten. Die Umweltzone gilt dagegen erst ab dem 1. Oktober. Gut so, denkt man sich bei der Stadt. Denn: „Wir müssen bis Oktober die ganzen Schilder beschaffen, mit denen die Umweltzone ausgewiesen wird“, sagt Gerhard Zielinski, Leiter des städtischen Umwelt- und Grünflächenamtes, „wo man in die Zone reinfährt und wo man sie wieder verlässt.“ Rund 160 Schilder müssen bestellt werden, der Kostenpunkt liegt bei 60 000 Euro.

Die Bochumer Umweltzone (ohne Wattenscheid) umfasst Riemke, Hofstede, Hamme, die gesamte Innenstadt, Wiemelhausen und Ehrenfeld. Als südliche Begrenzung fungieren der Oviedo-, der Nordhausen- und der Sheffield-Ring. In diese Gebiete dürfen ab dem 1. Oktober nur noch Autos mit einer roten, gelben oder grünen Umweltplakette hineinfahren. Wer ohne solch eine Vignette in die Zone fährt, muss mit einem Bußgeld von 40 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Ausgenommen sind allerdings die Autobahnen sowie bestimmte Zufahrtswege, etwa zur Jahrhunderthalle, zum Rewirpower-Stadion oder zur Starlight-Halle.

„Wir müssen bis Oktober die ganzen Schilder beschaffen“

Ausnahmeregelungen soll es darüber hinaus auch für Anwohner und Gewerbetreibende geben: Sie können eine Befreiung von der Plakettenpflicht beantragen. Diese wird gebührenpflichtig sein. Wie teuer genau, das konnte Zielinski am Montag noch nicht beziffern. Seinen Angaben zufolge haben von den insgesamt 190 000 Pkw in Bochum derzeit rund 9200 (fünf Prozent) keine Plakette. Bei den leichten Nutzfahrzeugen sind es von 6200 etwa 2090 (34 Prozent), bei den schweren Nutzfahrzeugen von 2940 aktuell 830 (28 Prozent). Von den insgesamt 174 Bussen in Bochum fahren mit 84 rund 48 Prozent ohne Umweltplakette.

Eine flächendeckende Einrichtung einer Umweltzone im Ruhrgebiet hatte die Landesregierung abgelehnt. Die Folgen sind nun in Bochum festzustellen. Einige stark durch Schadstoffe belastete Straßen gehören nicht zu der Umweltzone, weil sie weiter außerhalb liegen: Dazu zählen unter anderem Teile der Essener Straße, der Castroper Straße und des Castroper Hellweges.

» Weitere Informationen zum Luftreinhalteplan und zu der Bochumer Umweltzone gibt es auf www.bezreg-arnsberg.nrw.de.

WAZ, 5. August 2008


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