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WAZ vom 05.06.2007, auf der Homepage seit dem 05.06.2007

Westkreuz?- Rathaus, Zimmer 471

Seit gestern liegt der Planfeststellungsbeschluss aus und die ersten Gegner gegen den 6-streifigen Ausbau der A 40 waren auch schon da. Der Ausbau und das Autobahnkreuz sollen zusammen 96 Mio Euro kosten.

Von Rolf Hartmann

Wo bitte geht's zum Westkreuz? - Das war im Rathaus gestern unschwer zu beantworten: „Zimmer 471“. Seit gestern liegt dort der Planfeststellungsbeschluss für das sogenannte „Westkreuz“ aus – das Teil, das zusammen mit dem 6-streifigen Ausbau der A 40 zwischen Stahlhausen und Gelsenkirchen rund 96 Mio Euro kosten soll.

Bis zum 19. Juni hängt der Plan aus, und zu den ersten Gästen gehörten bereits am ersten Tag Gegner der „Bochumer Lösung“. Zu dieser zählt der Ausbau der A 40 und dazu zählt auch das „Westkreuz“, das streng genommen kein Kreuz zweier Autobahnen ist, sondern mit entsprechenden „Ohren“ vor allem die Verbindung zum Bochumer Außenring schaffen soll, der an dieser Stelle Donezk-Ring heißt.

Im bisherigen Verfahren gab es an die fünfzig Einwände gegen dieses beträchtliche Straßenprojekt, das später über dem Außenring, da, wo er Nordhausen-Ring heißt, mit der A 44 über eine Querspange (Opel-Spange) verbunden werden soll.

Bis zum 19. Juni wird der Planfeststellungsbeschluss ausliegen. Danach haben die, die das wollen, eine Frist von vier Wochen, um gegen das „Westkreuz“ per Klage zu Felde zu ziehen. Die müsste sich gegen das NRW-Verkehrsministerium als Planfeststellungsbehörde richten.

Sinn der „Bochumer Lösung“ ist, den Westost-Verkehr zwischen den Autobahnen A 44 und A 40 flüssiger zu machen. Denn vor allem an der Anschlussstelle Stahlhausen stauen sich ständig die Fahrzeuge. Etwa, wenn die Fahrer von der A 40 aus zum Doneszk-Ring wollen und sich dann mühsam mit ihren Autos über die Wattenscheider Straße einfädeln müssen.

Mit einem Brückenabriss hatte Landesverkehrsminister Oliver Wittke am 16. Mai für den sichtbaren Beweis gesorgt, dass es Ernst wird mit dem 6-streifigen Ausbau der A40. Der Akt im Freien vollzog sich zwar im strömenden Regen, aber der Abriss der Fußgängerbrücke Hohenstein in Wattenscheid wurde damit Fakt.

Allerdings sind beim Oberverwaltungsgericht Münster immer noch Klagen von Einwändern anhängig, die durch den Ausbau der A 40 eine unerträgliche Zunahme von Feinstaub, Lärm und Abgasen befürchten. Denn heute schon verkehren täglich etwa 100 000 Autos auf dieser Strecke zwischen Gelsenkirchen und Anschluss Stahlhausen.

Für 1,2 Mio Euro wird eine neue Hohenstein-Brücke bis Dezember gebaut. Der 2008 beginnende Ausbau der A 40 auf 6 Fahrspuren soll bis 2010 dauern. Gleichzeitig soll dabei das „Westkreuz“ entstehen.

KOMMENTAR

Westkreuz

In der vierten und fünften Etage des Rathauses, hoch über den Repräsentationsräumen der Oberbürgermeisterin, grübeln die Stadtplaner über ihren Entwürfen. Von dort aus hat man zumindest eine gute Sicht über Bochum.

In Sachen „Bochumer Lösung“ scheinen sie allmählich Land zu sehen. Erst gab NRW-Verkehrsminister Wittke einen „ersten Spatenstich“ zum Auftakt des Ausbaus der A 40 (er riss ein Stück Brückengeländer ein), jetzt liegt der Planfeststellungsbeschluss für das „Westkreuz“ in Stahlhausen aus.

Das letztere Verfahren ist gesetzlich vorgeschrieben und erlaubt die Möglichkeit zur Klage. Das wird wohl auch geschehen. Die Autobahngegner haben bereits Klage gegen den Ausbau der A 40 eingereicht, eine Entscheidung des Oberverwaltungsgerichts Münster steht noch aus. Das Problem ist seit Jahren klar: Wie weit darf Autobahnpolitik gehen, wie weit Anwohner damit beeinträchtigt werden?   Rolf Hartmann

WAZ, 5. Juni 2007


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