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WAZ vom 03.04.2008, auf der Homepage seit dem 03.04.2008

Schienenrätsel gelöst

Die Stadt Bochum erinnerte sich nun doch: Eine Waltroper Firma wurde mit den Arbeiten in Steinkuhl betraut, doch ging es da zunächst um eine Abholzaktion, um die Fernwärmeleitung für Opel zu schützen

Von Rolf Hartmann

Die Bochumer Stadtverwaltung ist keine kleine Klitsche. Weit über 5000 Mitarbeiter stehen dort in Lohn und Brot, zum Nutzen und Frommen der Stadt. Da wundert es kaum, dass manchmal die Linke nicht weiß, was die Rechte tut: Das zeigte sich jetzt beim mysteriösen „Schienenfall“ von Steinkuhl.

Tagelang war gerätselt worden, in wessen Auftrag eine Firma im „Steinkuhler Loch“ ausgediente Schienenstränge aus dem Bahndamm hebelten. Nein, erklärte die Stadt noch am Montag auf Anfrage, mit der Sache habe man nichts zu tun. So fragten wir Opel, die Deutsche Bahn und den Landesbetrieb Straßenbau, zumal die Bürgerinitiative „Bochum gegen die DüBoDo“ vermutete, dies seien schon die Vorarbeiten für die umstrittene Autobahn-Trasse der „Opel-Querspange“.

Mehrfach, u.a. in einem WDR-Fernsehbeitrag und auch der WAZ gegenüber, dementierte Michael Gebert, Leiter des Landesbetriebs Straßenbau, den Verdacht, seine Dienststelle stecke klammheimlich dahinter.

Am Mittwoch, nach der Lektüre des WAZ-Berichts „Das Rätsel der wandernden Gleise“, schwante Gerhard Zielinsky, Leiter des Umwelt- und Grünflächenamtes, wer der Urheber für die Aktion in Steinkuhl sein könnte: die Stadt Bochum.

Und das Rätsel löst sich nach seiner Darstellung dann so: Durch den Norden von Steinkuhl zieht sich oberirdisch ein mächtiges grünes Rohr - die Fernwärmeleitung, mit der das Opelwerk in Laer versorgt wird. Vor langer Zeit hatten Stadt, Opel und DB vertraglich vereinbart, dass sich die Stadt um die Grünpflege kümmert. Doch das, räumt Zielinsky ein, habe die Stadt jahrelang nicht getan. Bis bemerkt wurde, dass Bäume auf die Leitung zu stürzen drohten. Für 300 000 Euro wurde eine Waltroper Firma beauftragt, dort angemessen die Säge anzusetzen. Doch die Firma stieß auf unsicheren Untergrund. Um mit „schweren Gerät“ zur Fernwärmeleitung vordringen zu können, mussten die Schienen entfernt werden. Die DB gab ihre Zustimmung, und die Stadt legte, weil die Aktion teurer wurde, noch einmal 100 000 Euro drauf.

„Widerstand braucht Geld“, teilt die Bürgerinitiative gegen die DüBoDo mit. Wer spenden will: Konto 27 25 32 00, GLS-Bank Bochum, BLZ430 609 67, Verwendungszweck „Klagen“

WAZ, 3. April 2008


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