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MUNLV NRW, Pressemitteilung vom 02.05.2005, auf der Homepage seit dem 04.05.2005

Umweltministerin Bärbel Höhn begrüßt RVR-Masterplan „Saubere Luft im Ruhrgebiet“ - Erste Ergebnisse der ersten deutschen Studie zu langfristigen Wirkungen von Feinstaub aus NRW belegen Bedeutung von Luftreinhaltemaßnahmen

Umweltministerin Bärbel Höhn hat heute in Essen anlässlich der Tagung des Arbeitskreises Verkehr und Umwelt des Regionalverbands Ruhr (RVR) den von der Verbandsversammlung beschlossenen Masterplan „Saubere Luft im Ruhrgebiet“ begrüßt. Dieser Masterplan beinhaltet die Koordination der Aktions- und Luftreinhaltepläne der Ruhrgebietsstädte.

Gleichzeitig stellte Umweltministerin Bärbel Höhn erste Ergebnisse einer vom Umweltministerium NRW in Auftrag gegebenen Studie zu den langfristigen Wirkungen von Feinstaub auf Menschen vor. Die ersten Auswertungen der bei insgesamt 4.800 Frauen über 60 Jahre aus dem Ruhrgebiet durchgeführten Analysen weisen darauf hin, dass bei einer Erhöhung der Feinstaub-Konzentrationen um zehn Mikrogramm pro Kubikmeter Luft die Gesamtsterblichkeitsrate um ca. neun Prozent und die Sterblichkeitsrate durch Herz-Lungen-Krankheiten um ca. zehn Prozent steigt. Da bisher nur ein Teil des gesamten Datensatzes ausgewertet wurde, sind die ermittelten Ergebnisse als erster Trend anzusehen. Dieser Trend steht jedoch in sehr guter Übereinstimmung zu den wenigen, bisher durchgeführten internationalen Studien zur Erfassung der langfristigen Wirkungen von Feinstaub auf die menschliche Gesundheit. Die Feinstaub-Kohortenstudie NRW ist die erste deutsche und die zweite europäische Studie zu den Langzeit-Effekten von Feinstaub auf die Gesundheit des Menschen. Seit dem Jahr 2001 wird im Rahmen dieser Studie der Einfluss von Feinstaub auf die Sterblichkeit von älteren Frauen aus Duisburg, Gelsenkirchen, Essen, Herne, Dortmund, Borken und Dülmen untersucht.

Umweltministerin Bärbel Höhn: „Diese ersten Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit von Luftreinhaltemaßnahmen für die Gesundheit der Menschen.

Luft- und Lärmbelastungen sind das gravierendste Umwelt- und Gesundheitsproblem in den europäischen Ballungsräumen. In NRW wurden vor allem im Rhein-Ruhr-Ballungsraum in verkehrsbelasteten Gebieten Überschreitungen der Grenzwerte u.a. für Feinstaub festgestellt. Deshalb ist es wichtig, dass Maßnahmen nicht nur in einer Straße wirken, sondern größere Gebiete umfassen. Der Masterplan für das Ruhrgebiet ist ein wichtiger Schritt hin zu besserer Luftqualität.“

Die Feinstaub-Kohortenstudie NRW wird vom Landesumweltamt NRW koordiniert und vom Institut für Medizinische Informationsverarbeitung, Biometrie und Epidemiologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München durchgeführt.

Der Abschlussbericht mit den Ergebnissen der ersten Phase der Feinstaub-Kohortenstudie NRW liegt voraussichtlich im Mai 2005 vor und wird auf der Homepage des Landesumweltamtes NRW (www.lua.nrw.de) veröffentlicht.

Das gesamte Projekt wird voraussichtlich Ende 2008 abgeschlossen werden.

Luftreinhaltemaßnahmen im Ruhrgebiet

Für die Ruhrgebietsstädte Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg und Essen wurden und werden Aktionspläne mit kurzfristig greifenden Maßnahmen aufgestellt, weil die Vorjahresmessungen vermuten lassen, dass es an Verkehrsschwerpunkten in diesem Jahr zu mehr als den erlaubten 35 Überschreitungen kommt. Der Verdacht hat sich bereits in Dortmund bestätigt. Deshalb wurde am 22. April in der Brackeler Straße einseitig die Durchfahrt von Lkw > 7,5 Tonnen verboten. Außerdem soll eine Pförtnerampel geschaltet werden, an der nur noch eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen einfahren können. An der Gladbecker Straße in Essen wird voraussichtlich in Kürze ebenfalls der Grenzwert überschritten sein. Weil auch hier der Lkw-Verkehr eine der Hauptursachen ist, will die Stadt eine Umleitung für Lkw ab 3,5 Tonnen ausschildern.

Die seit 2002 nach den EU-Vorgaben durchgeführten Luftqualitätsuntersuchungen haben außerdem ergeben, dass in den Ruhrgebietsstädten Dortmund, Essen und Hagen Luftreinhaltepläne notwendig sind, damit bis zum Jahr 2010 der dann in Kraft tretende Stickstoffdioxid-Grenzwert eingehalten wird. Der Plan für Hagen wurde bereits im Oktober 2004 beschlossen. Kernstück der Minderungsmaßnahmen ist eine dynamische immissionsabhängige Verkehrssteuerung. Die Steuerung ist so konzipiert, dass Lkw bei hoher Luftbelastung das Stadtgebiet umfahren müssen.

Durch die Industrie kommt es im Ruhrgebiet nur noch in Einzelfällen zu hohen Belastungen. Für den Duisburger Norden wurde bereits 2004 ein Luftreinhalteplan zur Minderung der hohen Feinstaubkonzentration aufgestellt und wird seitdem jährlich fortgeschrieben. Die ThyssenKrupp Stahl AG führt Minderungsmaßnahmen durch, z.B. die Überführung von offenen Verladungen in geschlossene Systeme in der Sinteranlage. Mittlerweile sind aber auch im Duisburger Süden und in der Innenstadt zu hohe Feinstaubbelastungen festgestellt geworden. Deshalb soll der Plan auf das gesamte Stadtgebiet ausweitet werden.

An einem Industriestandort im Ruhrgebiet, in Castrop-Rauxel haben die Messungen zu hohe Benzolbelastungen ergeben. Der Luftreinhalteplan ist in Arbeit.

Pressemitteilung des MUNLV, Düsseldorf, 02. Mai 2005


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