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WAZ vom 02.04.2008, auf der Homepage seit dem 02.04.2008

Das Rätsel der wandernden Gleise

Von Rolf Hartmann

Im „Steinkuhler Loch“ werden Schienen abmontiert, doch nur allmählich wird sichtbar, wer dahinter steckt. Allzu viele kamen in Betracht: die Stadt, Opel, der Landesbetrieb Straßenbau, die Bahn

Ausgrabungen am Schienenstrang in Steinkuhl. Wer da den kostbaren Stahl in Sicherheit bringt, versuchte die Deutsche Bahn gestern noch zu ergründen. Bislang verliefen die Recherchen noch „ergebnisoffen“.     Foto: WAZ, Horst Müller

Im „Steinkuhler Loch“, südlich vom Nordhausen-Ring und westlich von der Markstraße, stutzen immer mehr Anwohner: Stück für Stück werden dort tonnenschwere Schienen aus der stillgelegten Bahnstrecke gehebelt und davongefahren. Die Arbeiter schuften und schweigen. Eine dreiste Gleisklau-Aktion unter den Augen der Öffentlichkeit? - Der Stahlpreis, hoch wie selten, könnte der Anreiz sein.

Ganz anderes vermutete die Bürgerinitiative „Bochum gegen die Dü-Bo-Do“: Ob da der Landesbetrieb Straßenbau kaltblütig schon die ersten Bagger gen Steinkuhl schickte, um so den Bau der umstrittenen Opel-Querspange (Weiterbau der A 44) anzuleiern? Und das, obwohl gegen den Planfeststellungsbeschluss noch die Klagefrist läuft?

„Wir haben nichts veranlasst,“ stellt Michael Gebert dazu fest. Der Leiter des Landesbetriebs Straßenbau kann dabei nicht mehr lachen. Man habe im eigenen Haus recherchiert, auch in der Niederlassung Essen. Fazit: „Wir wissen davon nur vom Hörensagen.“

Auch die Stadt wusch ihre Hände in Unschuld. Man wisse nichts davon, auch die Fachämter nicht. Sogar der Radwegbeauftragte musste passen: Da sei aktuell nichts im Busch. Wirklich nicht.

Nun führen die Schienen verräterisch weiter - direkt zu Opel in Laer. Das Werk nutzt einen weiteren Abschnitt für seine Werksbahn. Aber eben nur bis zu einem Puffer. Und wer hinter dem Puffer agiere, wo jetzt die Schienen Beine kriegen, wisse man auch nicht. Rat von Opel: „Fragen Sie doch mal die Deutsche Bahn.“

Anfrage bei der Deutschen Bahn: (Vermutetes) Kopfschütteln am anderen Telefonende: Hier sei nichts bekannt. Und: „Fragen Sie doch mal Opel.“ „Haben wir schon. Opel meint, wir sollen die DB fragen.“ Erste vorsichtige DB-Mutmaßung: „Könnte sein, dass wir das sind, dass wir das Baufeld freimachen. Der Stahlpreis ist hoch.“ Aber mehr wüsste ein Kollege, der sei aber zur Zeit nicht erreichbar. Eine Stunde später war er doch erreichbar, wusste aber nichts Genaues. Er müsse erst Erkundigungen einziehen, wer dort am Gleis arbeite. Heute soll das Rätsel gelöst werden. Bahnchef Mehdorn wird es ja wohl nicht gewesen sein. Oder? - Für seine Lokführer braucht er jeden Nagel.

WAZ, 2. April 2008


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