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WAZ vom 27.04.2004, auf der Homepage seit dem 27.04.2004

Das Stichwort

Shell-Autoprognose

Weniger Menschen, mehr Autos

Bis 2030 fahren 53 Millionen Autos auf deutschen Straßen

Trotz rückläufiger Bevölkerungszahl fahren in den kommenden Jahrzehnten immer mehr Autos auf Deutschlands Straßen. Bis 2030 wächst der Bestand an Fahrzeugen um bis zu neun Millionen auf über 53 Millionen an.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Ölmultis Shell, die am Montag vorgestellt wurde. Die Riesenflotte werde allerdings trotz höherer Fahrleistung weniger Schadstoffe in die Luft pusten als heute. „Dafür sorgen verbesserte Fahrzeuge, effizientere Motoren und Kraftstoffe, die um biogene und synthetische Komponenten ergänzt werden", heißt es in der Untersuchung. Der Kraftstoffverbrauch sinkt von heute 32 Millionen Tonnen auf 28 Millionen Tonnen im Jahr 2030. Der Ausstoß vermindert sich im gleichen Zeitraum gegenüber 1990 von 110 Millionen Tonnen auf noch 79 Millionen Tonnen.

Die Motorisierung steigt rasant an. Derzeit besitzen von 1000 Haushalten 664 einen Pkw. In 25 Jahren rechnet Shell mit einer Zunahme auf 785 Autos. In diesem Wert sind Firmenfahrzeuge enthalten. Vor allem Senioren und Frauen würden in Zukunft häufiger über ein eigenes Fahrzeug verfügen. „Die Entwicklung ist jedoch abhängig vom jeweiligen Maß an Flexibilität, zu dem sich unsere Gesellschaft künftig bereit erklärt", sagte Shells Deutschland-Chef Kurt Döhmel. Verlaufe der Veränderungsprozess dynamisch, sei ein höheres Wachstum und damit verbunden stärkerer Verkehr zu erwarten. Zögerliche Reformbereitschaft sorge für ein geringeres Wachstum. Wolfgang Mulke




Weltweiter Konsum nimmt dramatisch zu

Grenzen des Wohlstands

Von Jürgen Polzin

Wie viel Mensch erträgt die Erde? Wenn er sich weiter so aufführt, nicht mehr viel, prophezeien die Wissenschaftler des Beirats Globale Umweltveränderung. Das ist ein Expertengremium, das die Bundesregierung berät. Nach Ansicht der Professoren erleben wir erdgeschichtlich die sechste Vernichtung der Artenvielfalt. Diesmal angezettelt von Homo sapiens selbst. Wie ungleich der Raubbau auf und an diesem Planeten betrieben wird, haben die Vereinten Nationen vor fünf Jahren anhand griffiger Zahlen veranschaulicht. Danach verzehrt das reichste Fünftel der Welt drei Viertel aller Fleisch-und Fischmengen, verbraucht knapp die Hälfte aller Energie, beansprucht 84 Prozent allen Papiers und bewegt knapp 90 Prozent aller Fahrzeuge.

Dass der Trend weiterhin dahin geht, dass die Reichen unverhältnismäßig viel nehmen und die Armen übermäßig ihre Umwelt schädigen, weil sie überleben wollen, davor warnen die Autoren in ihrem „Bericht zur Lage der Welt", der nun in der deutschen Fassung vorliegt. Fazit der Autoren: Die Menschen werden reicher und fetter, aber nicht glücklicher.

Das Erschreckende aber ist, dass das Leben auf Kosten anderer normal geworden ist. Immer mehr, immer billiger. Konsumieren als Bürgerpflicht, weil es dem eigenen Wohlstand und dem Wohlbefinden dient. Obst und Blumen vom Kap der Guten Hoffnung, am Vorabend gepflückt, am Morgen im Supermarkt.

Dass Massenkonsum ökologische Grenzen hat, ignoriert das reiche Fünftel. Mit großer Sorge blicken Wissenschaftler auf die Entwicklung Chinas, das in Riesenschritten auf dem Weg zur Industrienation ist und zur Deckung des steigenden Energiebedarfs nach Öl und Kohle verlangt. Wenn die 1,3 Milliarden Einwohner Chinas die Lebensweise nachholen würden, die ihnen der Westen vormacht, wäre dies eine ökologische Katastrophe. Wer nun Genügsamkeit einfordert, sollte mit gutem Beispiel vorangehen.

WAZ, 27. April 2004

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