zurück zur Hintergrund-Seite
 zurück zur Aktuell-Seite

als PDF-Dokument herunterladen

WAZ vom 15.03.2005, auf der Homepage seit dem 15.03.2005

Vom Erfolg überrascht

Nur gegen Eintritt in die Innenstadt: London gilt als Vorbild

Von WAZ-Korrespondent U. Schilling-Strack, London

Von der Schreckensvision zum Erfolgsmodell: Seit ihrer Einführung vor zwei Jahren hat sich die City-Maut in London bewährt. Nun wird sie ausgeweitet.

Im Februar 2003 schien Ken Livingstones Karriere dem Untergang geweiht. Heftiger Protest erhob sich gegen die erste Maßnahme des neuen Londoner Bürgermeisters. Angesichts der City-Maut, mit der die Verstopfung der Metropole bekämpft werden sollte, sahen Automobil-Clubs das Ende bürgerlicher Freiheiten nahen, der Einzelhandel prophezeite eine Pleitewelle.

Doch mittlerweile ist die City-Maut ein Exportschlager: Vielerorts studiert man ein Schema, das überraschend glatt funktioniert. Fünf Pfund (7,50 Euro) zahlt der Autofahrer, der werktags zwischen 8.30 und 18.30 Uhr die Innenstadt ansteuert. Diese „Congestion Charge“ kann per Tageskarte oder im Abonnement entrichtet werden. Überwachungskameras verfolgen die Sünder und Verstöße werden mit harten Strafen geahndet.

70 000 weniger Autofahrten pro Tag zählte man im ersten Jahr nach der Einführung. 48 Prozent der Bürger gaben auch ein positives Urteil ab und freuten sich über eine Abnahme des Verkehrsaufkommens, die heute auf 18 Prozent beziffert wird. Handwerker und Einzelhändler sprechen sich jedoch immer noch gegen eine Einschränkung aus, die ihrer Meinung nach die Probleme nur verlagert hat. So staut es sich zuweilen an der Grenze zur Mautzone, wo die Autofahrer in den Bus umsteigen. Zur Goldgrube hat sich die City-Maut nicht entwickelt. Die Einnahmen blieben weit hinter den Erwartungen zurück. 300 Millionen Euro wollte Ken Livingstone eigentlich pro Jahr kassieren. Nur 120 Millionen sind es geworden. Der Bürgermeister behauptet, das Modell sei ein Opfer seines eigenen Erfolgs geworden. Wesentlich weniger Autos als ursprünglich erwartet würden die Innenstadt ansteuern. Allerdings kostet der Betrieb auch viel mehr als erwartet.

In London steht bereits die nächste Stufe an. Im Sommer wird die Gebühr um satte 60 Prozent auf acht Pfund (rund zwölf Euro) erhöht, und weitere Innenstadtbezirke sollen einbezogen werden.

WAZ, 15. März 2005

 zum Seitenanfang
 zurück zur Hintergrund-Seite