zurück zur Hintergrund-Seite
 zurück zur Aktuell-Seite

als PDF-Dokument herunterladen

Bürgerinitiative, auf der Homepage seit dem 06.02.2002

Neue Runde im Kampf gegen die Autobahn

Die Hintertür zur DÜBODO

Ende Januar 2002 entschied der Rat der Stadt Bochum, der Aufstufung des Bochumer Außenringes zur Bundesautobahn zuzustimmen; Anfang Februar beginnt die öffentliche Auslegung der Pläne zum Weiterbau der A 44/DÜBODO auf Bochumer Gebiet. Damit geht die Auseinandersetzung um die umstrittene DÜBODO in die entscheidende Runde.

Die Pläne zum Ausbau der Autobahn A 44 als große West-Ost-Achse - unter anderem mit der Schnellverbindung Düsseldorf-Bochum-Dortmund (DÜBODO) - werden seit Jahrzehnten betrieben. Sie reichen zurück bis 1937/38 (Aufmarschstrecke gen Osten) und wurden dann in den fünfziger- und sechziger Jahren wiederbelebt. Seit 1972 wehren sich auf Bochumer Gebiet DÜBODO-Initiativen gegen den Autobahnbau, ebenso wie in anderen betroffenen Städten. 1976 wurde der Plan öffentlich, die A 44 in einem 850 m langen Teilstück bis Bochum-Steinkuhl weiterzubauen und dort mit dem Außenring (heute: Nordhausenring) zu verbinden. Damals wie heute waren die Landesregierung NRW und die örtliche SPD und CDU für den Bau des DÜBODO-Teilstücks. In dem folgenden Planfeststellungsverfahren legten über 2.000 BürgerInnen Einspruch gegen den Bau der DÜBODO ein, im September 1978 fand der öffentliche Anhörungstermin statt. Doch nach der Kommunalwahl 1979 erfolgte plötzlich ein Kurswechsel der Landesregierung in Sachen DÜBODO-Weiterbau: der Plan wurde - vorerst - aufgegeben und das Planfeststellungsverfahren eingestellt.

DÜBODO und "Bochumer Lösung"

Die derzeitigen Pläne zum Weiterbau der DÜBODO sind offiziell Teil der von Ministerpräsident Clement sogenannten Bochumer Lösung. Mit ihr sollen die Fernstraßenverbindungen in Bochum, insb. die A 40 in Bochum-Stahlhausen, verkehrlich entlastet und Kapazitäten für mehr Kfz-Verkehr geschaffen werden. Die "Bochumer Lösung" umfasst ein Maßnahmenpaket von drei gleichzeitig zu realisierenden Autobahnplanungen auf Bochumer Gebiet:

1. Weiterbau der A 44 um knapp 3 km und Verknüpfung mit dem städtischen Außenring (im Bereich Steinkuhlstraße), um über den Außenring eine direkte Verbindung der A 44 mit der A 40 zu schaffen. Dieses Teilstück wird als sog. Querspange bezeichnet und soll gleichzeitig für das Werk I von Opel Bochum (derzeit noch 12.500 Beschäftigte) eine noch bessere Autobahnanbindung schaffen.

2. Sechsspuriger Ausbau der A 40 (Ruhrschnellweg) von der Stadtgrenze Gelsenkirchen bis Anschlussstelle Bochum-Stahlhausen.

3. Kreuzungsfreie Verknüpfung der A 40 in Bo-Stahlhausen mit dem Außenring ("Westkreuz"), um einen Teil des durch den sechsspurigen Ausbau noch weiter erhöhten Verkehrs nach Süden auf die weitergebaute A 44 umzulenken.

4. Nach neuesten Planungen soll der Außenring ab Verknüpfungsstelle mit der A 44 bis zum Westkreuz in Bochum-Stahlhausen zur Bundesautobahn (A 44) aufgestuft werden: Das Westkreuz wäre dann die Verknüpfung der A 44/A 40. Als Bonbon für diese Autobahnaufstufung wird versprochen, in Zukunft auf den bisher vorgesehenen Weiterbau der A 44 durch den Bochumer Süden bis Velbert ganz zu verzichten. Zu dieser Planung hat gerade der Bochumer Stadtrat sein Plazet gegeben. Die neue Diagonale DÜBODO - Außenring - Westkreuz durch den Bochumer Süden soll als "Bypass" die Staus auf der A 40 auflösen helfen, indem sie Verkehr von dort nach Süden abfließen lässt.

Mogelpackung "Bochumer Lösung"

Die offiziellen Verkehrsgutachten der Landesregierung zur Planfeststellung der Autobahnpläne belegen, dass der Verkehr auf der A 40 als auch auf dem heutigen Außenring enorm zunehmen wird und mit ihm natürlich auch die Emission von Lärm und Schadstoffen aller Art. Auf dem Außenring werden auf manchen Streckenabschnitten ca. 90.000 Kfz/Werktag verkehren. Die Gutachter kommen selbst zu dem Schluss, dass damit der Außenring auf 51% seiner Strecke überlastet sein wird, d.h. dass es dort zu Staus kommen wird. Mit anderen Worten: Der geplante Bypass für die staugeplagte A 40 ist schon absehbar eine Staustrecke und von Verkalkung bedroht.

Durch den Weiterbau der A 44 auf Bochumer Stadtgebiet um ca. drei Kilometer und den gleichzeitig vorangetriebenen Weiterbau der A 44 von Ratingen bis Velbert um ca. zehn Kilometer wird ein verkehrlicher Sachzwang geschaffen, in Zukunft den gänzlichen Durchbau der A 44 von Bochum bis Velbert zu realisieren.

Die prognostizierte Verkehrszunahme auf dem Außenring (später A 44) wird weiträumig zu einer Verlärmung der angrenzenden Wohn- und Naherholungsgebiete führen. Dies wird auch in den Planunterlagen offen zugestanden. Die vorgesehenen Lärmschutzmaßnahmen (Wälle plus Wände) werden insb. für die höher gelegene Hustadt keinen wirksamen Lärmschutz bieten: Die Wohn- und Lebensqualität wird auch in diesem Bereich für mehrere tausend AnwohnerInnen erheblich gemindert.

Gezielte Irreführung

Den BürgerInnen soll die "Bochumer Lösung" schmackhaft gemacht werden durch die Aussicht, dass dann auf den völligen Weiterbau der A 44/DÜBODO von Bochum bis Velbert verzichtet werde. Nach aller Erfahrung ist dies eine gezielte Irreführung in der herkömmlichen, langfristig angelegten Salamitaktik:

Der Außenring ("Westtangente") war in den 1980er Jahren gegen erhebliche Widerstände von der regierenden SPD durchgesetzt worden als unverzichtbare "innerstädtische Entlastungsstraße"; so stand es auch noch 1994 im Kommunalwahl-Programm der Bochumer SPD. Zehn Jahre nach ihrer Inbetriebnahme stimmt dieselbe SPD nun der Aufstufung dieser "Entlastungsstraße" zu einer überregional bedeutsamen Bundesautobahn zu. Es ist programmiert, dass der als "Bypass" propagierte Weiterbau der A 44/DÜBODO in Verkehrsstaus und -lärm enden wird und nach ca. zehn weiteren Jahren einen Sachzwang zum Durchbau der A 44 durch den Bochumer Süden erzeugen wird.

Dies sehen heute schon die Bochumer CDU und FDP so: beide fordern den Weiterbau der DÜBODO über Bochum hinaus.

Was tun?

Alle interessierten BürgerInnen und Studierenden (auch wenn sie nicht in Bochum wohnen) können die Pläne zum Weiterbau der A 44 einsehen und Einwendungen formulieren. Die Pläne liegen vom 5.2. bis zum 4.3. im Bochumer Rathaus, Zi. 471, aus. Schriftliche Einwendungen können bis zum 2. April u.a. bei der Stadt Bochum eingereicht werden. Wenn möglichst viele Einwender ihrer Bedenken vortragen, dazu noch auf dem öffentlichen Erörterungstermin im Sommer, wird den Planern das Geschäft erschwert. Die Bürgerinitiative Bochum gegen die DÜBODO hat sich zum Ziel gesetzt, die Planungen gänzlich zu Fall zu bringen. Es laufen auch die Vorbereitungen zu späteren Klagen gegen einen möglichen Planfeststellungsbeschluss.

Zur Mitarbeit bei der BI sind alle herzlich eingeladen!

Eckhard Stratmann-Mertens, Sprecher der BI Bochum gegen die DÜBODO

 zum Seitenanfang
 zurück zur Hintergrund-Seite