zurück zur Bürgerinitiativ-Seite
 zurück zur Aktuell-Seite

als PDF-Dokument herunterladen

Pressemitteilung vom 15.07.2003, auf der Homepage seit dem 15.07.2003

Pressemitteilung vom 15.7.2003

Neues Schadstoffgutachten zum A 40-Ausbau in Wattenscheid: manipuliert und schöngerechnet

Klägergemeinschaft A 40-Wattenscheid gegründet

Zum Verlauf der gestrigen Informationsveranstaltung der BI Bochum gegen die DüBoDo in Wattenscheid zum neuen Schadstoff”gutachten” des Landesbetriebs Straßenbau erklären Eckhard Stratmann-Mertens, Sprecher der Bürgerinitiative, und Friedrich Ewen, Schadstoffexperte der BI:

Bei dem Anhörungsverfahren zum geplanten A 40-Ausbau in Bochum-Wattenscheid im November 2002 hatte die Bürgerinitiative herausgestellt, dass die ausgelegte “Schadstoffunterlage” nicht mehr den gesetzlichen Bestimmungen genügte. So sah sich der Landesbetrieb Straßenbau als Planungsträger genötigt, eine neue Schadstoffunterlage vorzulegen und dazu ein Gutachten einzuholen. Dieses Gutachten eines Karlsruher Ingenieurbüros kommt zu dem Ergebnis, dass sich die verkehrsbedingten Luftschadstoffbelastungen infolge des sechsspurigen Ausbaus der A 40 verringerten; dies sei zu begrüßen. Diese Aussage des Gutachters verwundert umso mehr, als das Gutachten selbst ausweist, dass bei Ausbau der A 40 die gesetzlich vorgeschriebenen Grenzwerte (für Stickstoffdioxid und Feinstaub) an manchen Stellen erreicht und sogar überschritten werden.

Bei näherem Hinsehen erweist sich das sogenannte Gutachten als ein vielfach manipuliertes Gefälligkeitsgutachten mit dem Ziel, die Gesundheitsgefährdungen durch den A 40-Ausbau herunterzurechnen.

1.       Um die selbst ausgewiesenen Grenzwertüberschreitungen insbesonders bei den hochgradig gesundheitsgefährdenden Feinstäuben zu bagatellisieren, wird der Planfall (Ausbau der A 40) mit dem sog. Nullfall (kein Ausbau) verglichen: “Die Berechnungen ergeben für den Planfall mit sechsspurigem Ausbau aufgrund verbessertem Verkehrsfluss und zusätzlichen begleitenden Bauwerken (Lärmschutzwände und Lärmschutzwälle) gegenüber dem Nullfall verringerte Belastungen.” Um zu diesem “Ergebnis” kommen zu können, werden in wissenschaftlich unhaltbarer Weise Daten unterschlagen und methodische Tricks angewandt:

-          Für den Nullfall werden falsche, nämlich erheblich zu hohe, Verkehrsdaten zugrundegelegt mit der Folge, dass dieses Szenario völlig realitätsfern ist.

-          Zur Berechnung der Vorbelastung des Plangebietes mit Luftschadstoffen werden willkürlich sehr weit entfernte Messstellen herangezogen, die die lokaltypische Vorbelastung des A 40-Gebietes nicht annähernd erfassen können. Im Ergebnis werden so die tatsächlichen Vorbelastungswerte künstlich herunter”gerechnet”.

-          Das Gutachten ist aufgrund elektronischer Rechenverfahren an kaum einer Stelle nachvollziehbar; es werden vom Gutachter selbst entwickelte und wissenschaftlich nicht gesicherte Berechnungsformeln zur Ermittlung von Ergebnissen eingesetzt.

2.       Auf der Grundlage des sog. Gutachtens kommt die Verwaltung der Stadt Bochum in ihrer Ratsvorlage zum A 40-Ausbau zu dem Ergebnis, dass “spezielle, durch die Maßnahme verursachte gesundheitliche Risiken für die Anwohner nicht zu befürchten sind.” Sie stützt sich dabei auf eine gleichlautende eineinhalbseitige Stellungnahme des städtischen Gesundheitsamtes (Dr. Winter).

Diese Stellungnahme der Verwaltung der Stadt Bochum ist höchstgradig skandalös und spielt mit dem Leben und der Gesundheit der Anwohner an der A 40 in Wattenscheid. Nach Abschätzung des Landesinstituts für den Öffentlichen Gesundheitsdienst NRW aus dem Jahre 2002 “starben 1999 in NRW deutlich mehr Personen durch straßenverkehrsbedingte Luftverunreinigung als durch Straßenverkehrsunfälle”. Diesem Gefährdungspotential werden das Schadstoffgutachten und die darauf gegründeten Stellungnahmen der Stadtverwaltung in keiner Weise gerecht.

3.       Um sich gegen diese Gefahren infolge des A 40-Ausbaus zu wehren, haben gestern über zwanzig BürgerInnen aus Wattenscheid die Initiative für eine “Klägergemeinschaft  A 40 – Wattenscheid” gestartet. Sie sind entschlossen, auch auf dem Klageweg den Schutz ihres Lebens und ihrer Gesundheit zu erwirken. Ansprechpartner für die Klägergemeinschaft ist: Werner Dechardt, Buschstr. 13 A, 44866 Bochum, Tel.: 02327 / 13713.


 zum Seitenanfang
 zurück zur Bürgerinitiativ-Seite