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Offener Brief vom 8.1.2002, auf der Homepage seit dem 20.1.2002

Brief einer besorgten Bürgerin an den Bundesverkehrsminister

An den Bundesverkehrsminister Herrn Bodewig Bundesverkehrsministerium Invalidenstr

 

An den Bundesverkehrsminister

Herrn Bodewig

Bundesverkehrsministerium

Invalidenstr.44

 

10115 Berlin

 

 

8.1.2002

 

Autobahn - A44, Bochum

Bundesverkehrswegeplan, Planfeststellung

Zukunftsfähige Entwicklung

 

 

 

Sehr geehrter Herr Bodewig,

In der Anlage übersende ich Ihnen einige Zeitungsartikel, die Sie möglicherweise in die Lage versetzen können, selbst Schlüsse darüber zu ziehen, ob die von Ihnen anvisierte Verkehrsplanung in Bochum - Hochstufung des sog. Außenrings als Bundesautobahn - wirklich noch Sinn macht. Ich persönlich meine, das ist und war eigentlich immer nicht der Fall.

Die sogenannte „Opel-Querspange" muß aus vielfältigen Gründen zusammen mit der gesamten noch nicht gebauten weiterführenden A44-Trasse aus dem Bundesverkehrswegeplan gestrichen werden, da sie nicht mehr zeitgemäß ist. Die Planfeststellung darf nicht eingeleitet werden:

 

1.    Die Bundesregierung hat sich im Rahmen von Rio verpflichtet, die Luftverschmutzung einzudämmen. Es ist für mich daher nicht nachzuvollziehen, warum sie durch weiteren Bau der A44 die Luftverschmutzung im schon massiv belasteten Ruhrgebiet noch weiter erhöhen will. (Neue Straßen erzeugen bekanntlich mehr Verkehr.)

 

Die beiliegenden Artikel aus der Westdeutschen Allgemeinen vom 19.12.01 („Brummis droht im Ruhrgebiet ein Fahrverbot - EU verschärft Grenzwerte für Luftqualität", „Luftqualität des Ruhrgebiets leidet unter dem Verkehr - GEBALLTE PROBLEME') sprechen eigentlich für sich selbst. Die Gefahr der Schwebe-/Feinstäube dürfte auch dem Bundesgesundheitsministerium nicht verborgen sein. Auf welche Forschungsgrundlagen beziehen Sie sich hierzu?

 

2.      Eine Hochstufung des Außenrings in Bochum als Autobahn würde keine Lösung des A40/B1 (Ruhrschnellwegproblems) bedeuten. Nur eine sinnvolle ÖPNV-Lösung mit Ost-West- und Nord-Süd-Koordination und ausreichender Taktung kann vor Ort Abhilfe schaffen.

 

  1. Der Ost-West-LKW-Verkehr muß auf die Schiene - siehe auch obiger Artikel. Die Logistik für Warenlieferungen muß zukunftsfähig werden.

 

  1. Zudem möchte ich Sie darauf hinweisen, daß es sich beim Außenring nicht um einen wirklichen „Außen"ring handelt sondern um eine Straße,, die quer durch die Mitte der Stadt - parallel zur A40 (B1-Ruhrschnellweg)- also mitten durch die noch halbwegs intakte Stadtstruktur verläuft. Es ist zu befürchten, daß sich die sozialen Probleme, die sich durch die bisherige Zweiteilung der Stadt in den ärmeren Norden und den reicheren Süden zeigen, in Zukunft durch die Dreiteilung der Stadt erhöhen.

Eine Stadtflucht aus diesem Bereich und Entwertung der Bausubstanz ist vorprogrammiert - in einer Region, die vom Arbeitsplatzabbau betroffen ist - doppelt schmerzhaft. Der Autobahnbau ist aus sozialen Gründen nicht zukunftsfähig.

 

5.    Die bohrende Lobby-Tätigkeit der IHK und von Opel - mit Unterstützung der Medien - haben dazu geführt, daß die Stadt-Oberen sich für den Ausbau des Außenrings stark gemacht haben_ Aus der Presse und tlw. aus den beiliegenden Artikeln können Sie ersehen, daß es mit Opel nicht gut bestellt ist. Und das hat absolut nichts mit der „Opel-Querspange", wie sie verniedlicht heißt, zu tun. Mit den Steuergeldern der Bürger soll hier ein Unternehmen subventioniert werden, das einen besseren Autobahnanschluß, wie es ihn jetzt hat, gar nicht haben kann! Schauen Sie sich die Angliederung dieses Werkes genau an. Man hat für dieses Werk ursprünglich einen ganzen Stadtteil plattgemacht und große Stadtstraßen gebaut, die direkt zur Autobahn führen. Für Opel ist der Ausbau der A44 im Bochumer Süden wahrhaftig nicht notwendig.

Es wäre nicht das erstemal, daß die Bürger mit ihren Steuergeldern für eine Verkehrsplanung in Bochum für die Anbindung eines Industriebetriebes bezahlen, der dann dicht machte: Der Bau der viel zu großen Ruhrtalbrücke zur Henrichshütte ist ein Bochumer Beispiel dafür.

7 Millionen Autos stehen auf Halde (Zeitungsartikel anbei). Bitte ändern Sie umgehend Ihre Politik! Ein Zeichen der Zeit!

6. „Grüne fühlen sich vom OB „abgebügelt" (WAZ vorn 27.12.01)": Die Stadtoberen in Bochum haben kein Gespür für die Bedürfnisse ihrer Stadt und ihrer Bürger. Das hat sich bei der letzten Wahl gezeigt, durch die die SPD für ihre Bürgerferne abgestraft wurde.

 

 

Ein Dialog mit den Bürgern, der Ideen für eine zukunftsfähige Verkehrsplanung in der Region hervorbringen könnte, wäre wünschenswert. Der Metrorapid ist nur eine Lösung, vielleicht eine viel zu teure.

In das Selbstverwaltungsrecht der Kommune können Sie natürlich nicht hineinregieren, aber wäre es denn nicht möglich, mit Hilfe von Fördergeldern vermehrt Dialogprozesse in Gang zu bringen, die auch der allgemeinen Verkehrsplanung dienlich sein könnten?

Wie wäre es, wenn Sie die Gelder, die für den A44-vorgesehen sind, umschichten für die Förderung von Dialogprozessen?

 

7.            Bochum hat sich der Lokalen Agenda 21-Aktion angeschlossen. Der Oberbürgermeister hat sich angeblich der Angelegenheit angenommen. Bisher ist nicht viel dabei herumgekommen - nur daß eine aktive Bürgergruppe ihre konstruktiven Pläne für eine Stadtteilentwicklung nach vielen Mühen wieder einpacken durfte.

Auch der Autobahnbau A44 hat mit ökologisch zukunftsfähiger Entwicklung zu tun, aber davon wollen die Stadtoberen (und auch Sie?) bislang nicht viel wissen:

Es geht hier u.a. um folgende Aspekte:

a)     wie oben bereits erwähnt: massive Luftverschmutzung in Bochum, die abzubauen ist und die Entstauung der A40 durch eine zukunftsfähige Verkehrsplanung.

b)     Die Klimaanalyse der Stadt Bochum weist den Planungsbereich der A44 als Klimaschutzzone für das gesamte Stadtgebiet aus_ Durch die massive und großflächige Bebauung und Bodenversiegelung durch Opel wird die Umgebung im Sommer schon jetzt extrem aufgeheizt. Die Folgen eines zusätzlichen Autobahnbaus dürften klar sein.

c)      Bodenschutz: Den sparsamen Umgang mit Boden (bei vrhandener ausreichender Autobahnanbindung von Opel und völlig anderem und zukunftsfähigen Verkehrsplanungsbedarf) - siehe BauGBI - vermisse ich. Kümmert sich die Verkehrsplanung eigentlich darum?

d)     Schutz des Wassers: Das hoch verschmutzte Wasser der Autobahn wird früher oder später im Trinkwasser der Bochumer landen, da der Ablauf nicht vollständig gereinigt in die Ruhr fließt, aus der das Trinkwasser gewonnen wird.

e)     Bochum ist sehr arm an Grünflächen. Die A44 vereinnahmt ein weiteres Stück davon. Die - wenn opportun - hochgepriesenen regionalen Grünflächen werden immer mehr zur Planungsreserve.

f)        „Thomas Mann ...auf Rittergut Haus Laer". Das Rittergut ist direkt an der Trasse gelegen, gehört zu einem der wenigen noch verbliebenen historischen Schätze Bochums. Auch über Bochum hinaus ist es von Bedeutung. Soll ihm das Wasser buchstäblich abgegraben werden? Macht es Sinn, daß es von einem Lärmteppich überzogen wird? Welche Rolle spielt der Denkmalschutz in diesem Zusammenhang Ihrer Meinung nach?

g)     Und haben Sie sich bzw. Ihre Verkehrsplaner Gedanken darüber gemacht, wie die Betroffenheit der Zehntausenden von Menschen in unmittelbar zur A44 benachbarten Stadtteilen mit großflächiger Hochhausbebauung sein könnte? Hier wohnen viele Menschen, die dem Universitätsbereich zuzurechnen sind und für deren Arbeit Ruhe erforderlich ist. Beschallung, Schlaflosigkeit, Verlust von dringend benötigten Naherholungsbereichen. Zufahrtsstraßen, die nicht für das Verkehrsaufkommen geeignet sind.

Die Auswirkungen der Autobahn dürften Ihnen von anderswo bekannt sein. Nur hier im Ballungsraum sind die Probleme eben noch geballter.

Sehr geehrter Herr Bodewig, für Ihre baldige Stellungnahme zu o.g. Problematik, (alternativen) Planungszielen und -zeiträumen wäre ich Ihnen dankbar.


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